Die geplante EU-weite Bearbeitungsgebühr für Pakete aus Nicht-EU-Staaten stößt beim Handelsverband Deutschland (HDE) auf Zustimmung. Gleichzeitig fordert der Verband eine beschleunigte Umsetzung weiterer Reformelemente, um faire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Handel schneller zu sichern.
Paketgebühr als Schritt zu mehr Fairness
Mit der Reform der EU-Zollunion reagiert die Europäische Union auf den boomenden Online-Handel aus Drittstaaten. Ab Juli 2026 soll eine Bearbeitungsgebühr von drei Euro pro Sendung eingeführt werden, die wenige Monate später EU-weit gilt. Ziel ist es, die Kosten der Zollabwicklung gerechter zu verteilen und Wettbewerbsnachteile für europäische Händler zu reduzieren.
Aus Sicht des HDE ist diese Maßnahme überfällig. Insbesondere die stark gestiegenen Importmengen, vor allem aus asiatischen Märkten, hätten den Handlungsdruck deutlich erhöht. Die neue Gebühr gilt daher als wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit im Binnenmarkt.
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Kritik am Tempo beim Customs Data Hub
Trotz der positiven Bewertung sieht der Verband deutlichen Nachbesserungsbedarf bei der Umsetzung weiterer zentraler Elemente der Reform. Im Fokus steht dabei der geplante Customs Data Hub, dessen Einführung derzeit erst für 2028 vorgesehen ist.
Nach Einschätzung des HDE ist dieser Zeitplan zu ambitioniert nach hinten verschoben. Ein früherer Start sei notwendig, um die Kontrolle von Warenströmen effizienter zu gestalten und Missbrauch schneller einzudämmen.
Zentrale Datenplattform als Schlüsselinstrument
Der Customs Data Hub soll künftig eine zentrale Rolle im europäischen Zollsystem einnehmen. Händler und Importeure aus Drittstaaten sollen ihre Daten gebündelt für alle EU-Mitgliedstaaten bereitstellen. Dadurch könnten Warenwerte, Mengen und Deklarationen deutlich besser überprüft werden.
Der HDE sieht darin ein wesentliches Instrument, um fehlerhafte Angaben und Umgehungsstrategien zu reduzieren. Ohne eine funktionierende Dateninfrastruktur bleibe die Wirkung der neuen Gebührenregelung jedoch begrenzt.
Verbraucherschutz und Wettbewerb im Fokus
Neben wirtschaftlichen Aspekten hebt der Verband auch die Bedeutung für den Verbraucherschutz hervor. Derzeit gelangen zahlreiche Produkte in den europäischen Markt, die nicht den geltenden Standards entsprechen. Dies betreffe sowohl Sicherheitsanforderungen als auch Qualitätskriterien.
Durch strengere Kontrollen und verbesserte Datentransparenz könnten künftig unsichere oder minderwertige Waren effektiver identifiziert werden. Gleichzeitig würden europäische Händler besser vor Preisdumping geschützt.
Reform braucht konsequente Umsetzung
Der HDE bewertet die Zollreform insgesamt als wichtigen Fortschritt, sieht ihren Erfolg jedoch stark von der praktischen Umsetzung abhängig. Neben der Einführung der Paketgebühr müsse insbesondere die digitale Infrastruktur schneller aufgebaut werden.
Nur durch ein Zusammenspiel aus klaren Regeln, effizienter Kontrolle und technologischer Unterstützung lasse sich ein fairer Wettbewerb im europäischen Handel dauerhaft sicherstellen.


