Künstliche Intelligenz und automatisierte Entscheidungssysteme gewinnen in europäischen Unternehmen an Bedeutung. Nach einer aktuellen Eurobarometer-Erhebung der Europäischen Kommission setzen bereits 42 Prozent der befragten kleinen und mittleren Unternehmen sowie Midcap-Unternehmen entsprechende Technologien ein. Weitere 21 Prozent planen eine künftige Nutzung. Allerdings befinden sich viele Anwendungen noch in einer Erprobungsphase oder werden nur in begrenztem Umfang eingesetzt. Hohe Investitionskosten, rechtliche Unsicherheiten und fehlendes Fachwissen erschweren eine breitere Einführung.
KI und algorithmische Systeme zunehmend verbreitet
Die Untersuchung betrachtet neben künstlicher Intelligenz auch algorithmisches Management. Darunter fallen digitale Anwendungen, die betriebliche Entscheidungen unterstützen oder automatisieren, beispielsweise bei der Aufgabenverteilung, Personalplanung und Leistungsbewertung. Nicht sämtliche dieser Systeme basieren zwangsläufig auf KI.
Zu den wichtigsten Einsatzgebieten gehören Kundenservice und Kundenbeziehungsmanagement. Hier nutzen 47 Prozent der befragten Unternehmen entsprechende Technologien. Weitere 36 Prozent setzen sie zur Überwachung von Leistung und Produktivität ein. In Logistik, betrieblicher Planung und Personaleinsatz kommen solche Systeme bei 30 Prozent zum Einsatz.
Die Ergebnisse zeigen, dass automatisierte Anwendungen zunehmend unterschiedliche Unternehmensfunktionen erreichen. Gleichzeitig bleibt ihr praktischer Einsatz vielfach auf einzelne Prozesse beschränkt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Unternehmen erwarten bessere Entscheidungen und Arbeitsbedingungen
61 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass KI sie bei betrieblichen Entscheidungen unterstützt. Zudem erwarten 75 Prozent, dass künstliche Intelligenz und algorithmisches Management die Qualität von Arbeitsplätzen verbessern können.
Die Verantwortung für Entscheidungen liegt dabei überwiegend weiterhin beim Menschen. Nach Angaben von 90 Prozent der Unternehmen werden Entscheidungen von Beschäftigten oder Führungskräften getroffen. Lediglich zwei Prozent berichten von vollständig automatisierten Entscheidungsprozessen.
Trotz der grundsätzlich positiven Erwartungen bestehen Vorbehalte gegenüber dem Einsatz automatisierter Systeme in sensiblen Bereichen. Fast jedes zweite Unternehmen, konkret 49 Prozent, vertraut KI und algorithmischen Anwendungen nicht bei Entscheidungen über Beschäftigte oder Personalangelegenheiten.
Kosten und Rechtsunsicherheit bremsen Einführung
Die größten Hindernisse für eine umfassendere Nutzung liegen nach Einschätzung der Unternehmen in den wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen. Hohe Investitionskosten nennen 50 Prozent der Befragten, während 49 Prozent rechtliche Unsicherheiten als Problem betrachten. Fehlendes Fachwissen stellt für 48 Prozent eine weitere Hürde dar.
Die Europäische Kommission verweist in diesem Zusammenhang auf bestehende Regelungen wie die Datenschutz-Grundverordnung und die europäische KI-Verordnung. Diese sollen rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, Grundrechte schützen und den verantwortungsvollen Einsatz der Technologie unterstützen.
Zusätzliche Vorgaben zum algorithmischen Management könnten im Rahmen des geplanten europäischen Gesetzes über hochwertige Arbeitsplätze folgen. Ziel ist es, Unternehmen mehr Klarheit zu bieten und Beschäftigtenrechte beim Einsatz automatisierter Entscheidungssysteme zu stärken.
Beschäftigte sehen Chancen, verlangen aber Schutz
Die Ergebnisse ergänzen eine frühere Eurobarometer-Befragung vom Februar 2025. Damals bewerteten 62 Prozent der Europäer den Einsatz von Robotern und KI am Arbeitsplatz positiv. 70 Prozent gingen davon aus, dass diese Technologien die Produktivität verbessern.
Gleichzeitig hielten 84 Prozent einen sorgfältig geregelten KI-Einsatz für notwendig, um Datenschutz und Transparenz im beruflichen Umfeld sicherzustellen. Die Einschätzungen verdeutlichen, dass technologische Offenheit und der Wunsch nach klaren Schutzmechanismen nebeneinander bestehen.
EU verfolgt ehrgeizige Digitalisierungsziele
Die zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz ist Teil der europäischen Digitalstrategie. Bis 2030 sollen mindestens 75 Prozent der Unternehmen in der EU Technologien wie KI, Cloudcomputing oder Big Data einsetzen. Die Fortschritte werden im jährlichen Bericht zur digitalen Dekade dokumentiert.
Die aktuelle Eurobarometer-Erhebung zeigt ein wachsendes Interesse an intelligenten und automatisierten Unternehmensanwendungen. Für eine stärkere Verbreitung bleiben jedoch Investitionsfähigkeit, qualifizierte Fachkräfte und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen entscheidend.


