Nach dem vierten Insolvenzantrag von Galeria innerhalb von sechs Jahren verschärft Miteigentümer Bernd Beetz die Kritik an der bisherigen Unternehmensführung. Aus seiner Sicht wäre die erneute Insolvenz vermeidbar gewesen, wenn die notwendige Transformation schneller und konsequenter umgesetzt worden wäre. Im Mittelpunkt seiner Forderungen stehen Warenmanagement, Sortimentsstrategie, Kundenorientierung und die künftige Führungsstruktur.
Beetz sieht operative Defizite als Kernproblem
Gegenüber der BILD macht Beetz deutlich, dass er die Ursachen nicht allein in schwierigen Marktbedingungen oder Finanzierungsproblemen sieht. Entscheidend sei vielmehr, ob Galeria sein Handelsgeschäft konsequent genug neu aufgestellt habe.
Besonders wichtig seien aus seiner Sicht ein strafferes Warenmanagement, eine klarere Sortimentsstrategie und eine stärkere Orientierung an den Kunden. Damit richtet sich die Kritik direkt auf Einkauf, Bestände, Flächenproduktivität und das Profil der Warenhäuser.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Warenhausmodell wird nicht grundsätzlich infrage gestellt
Trotz der erneuten Insolvenz hält Beetz das Warenhausgeschäft grundsätzlich für zukunftsfähig. Erfolg sei jedoch nur möglich, wenn sich Galeria deutlich vom Wettbewerb abhebe und operativ sehr effizient geführt werde.
Damit verschiebt sich die Debatte von der Frage nach der grundsätzlichen Zukunft des Warenhauses hin zu dessen konkreter Ausgestaltung. Sortiment, Einkauf, Flächennutzung und Kundenansprache werden damit zu zentralen Faktoren der nächsten Sanierungsphase.
Auch die Führungsstruktur steht zur Debatte
Besonders brisant ist Beetz‘ Hinweis auf personelle Entscheidungen. Künftig müsse entscheidend sein, welche Führung das größte Vertrauen von Gläubigern, Beschäftigten, Lieferanten und möglichen Investoren genieße.
Eine direkte Forderung nach personellen Konsequenzen formuliert er zwar nicht. Dennoch macht er deutlich, dass die bestehende Führungsstruktur in der nächsten Sanierungsphase überprüft werden dürfte. Das Amtsgericht Düsseldorf hat inzwischen ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet und Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Erneute Krise trotz Neustart von 2024
Nach der Insolvenz 2024 hatten NRDC und das Family Office von Beetz Galeria übernommen. Der Konzern wurde auf 83 Warenhäuser in 70 Städten verkleinert und sollte mit neuer Eigentümerstruktur stabilisiert werden.
Gut zwei Jahre später ist das Unternehmen erneut zahlungsunfähig. Rund 12.000 Arbeitsplätze hängen weiterhin an der Entwicklung. Zugleich hatten Medien zuletzt von deutlichen Umsatzrückgängen und einer angespannten Finanzierungslage berichtet.
Lieferanten und Gläubiger werden entscheidend
Für die weitere Sanierung spielt das Vertrauen der Lieferanten eine zentrale Rolle. Gerade vor dem Weihnachtsgeschäft muss Galeria sicherstellen, dass ausreichend attraktive Ware verfügbar ist, ohne erneut zu hohe Bestände aufzubauen.
Damit greifen mehrere von Beetz genannte Punkte unmittelbar ineinander. Warensteuerung, Sortiment, Finanzierung und Lieferantenvertrauen müssen gleichzeitig stabilisiert werden, wenn der nächste Sanierungsversuch dauerhaft tragen soll.




