Galeria ist erneut zahlungsunfähig und hat beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenzantrag gestellt. Für Deutschlands letzte große Warenhauskette ist es bereits das vierte Insolvenzverfahren seit 2020. Der Geschäftsbetrieb in den 83 verbliebenen Häusern soll zunächst weiterlaufen, doch die Zukunft vieler Standorte und der rund 12.000 Beschäftigten ist offen.
Umsätze brechen im Sommer deutlich ein
Auslöser der neuen Krise sind erhebliche Liquiditätsprobleme. Nach Informationen des Handelsblatt sanken die Umsätze im Juni, Juli und August 2026 jeweils um rund 15 Prozent, Ende September sogar um etwa 25 Prozent.
Dabei hatte Galeria erst Ende Juni eine besicherte Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro erhalten. Ein Teil dieser Mittel floss jedoch in die Ablösung bestehender Finanzierungen und offene Verpflichtungen, sodass offenbar weniger zusätzliche Liquidität für den operativen Umbau zur Verfügung stand.
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33 Häuser standen bereits auf dem Prüfstand
Schon im Juli hatte Galeria angekündigt, 33 der 83 Warenhäuser einer intensiven Wirtschaftlichkeitsprüfung zu unterziehen. Damit stand bereits vor dem Insolvenzantrag mehr als ein Drittel des Netzes grundsätzlich zur Disposition.
Weitere Schließungen könnten erneut ein zentraler Bestandteil der Sanierung werden. Ein Insolvenzverfahren eröffnet dabei größere Möglichkeiten, sich von wirtschaftlich belastenden Verträgen zu lösen, insbesondere bei Mietverhältnissen.
Turnaround von 2025 hielt nicht lange
Besonders auffällig ist der erneute Absturz, weil Galeria 2025 erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder einen operativen Gewinn gemeldet hatte. Die 83 Warenhäuser erzielten damals nach Unternehmensangaben mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz.
Schon wenige Monate später zeigten sich jedoch erneut Liquiditätsprobleme. Im Frühjahr 2026 wurden Mietzahlungen an mehreren Standorten verspätet geleistet, später kamen neue Finanzierungen hinzu. Der Fall zeigt, dass ein positives operatives Ergebnis allein keine dauerhaft stabile Finanzierung garantiert.
Vier Insolvenzen innerhalb von sechs Jahren
Galeria hatte bereits 2020, 2022 und 2024 Insolvenzverfahren durchlaufen. Mit jeder Sanierungsrunde wurde das Filialnetz weiter verkleinert, Kosten wurden gesenkt und Mietverträge neu verhandelt.
Nach dem Verfahren von 2024 blieben 83 Häuser übrig. Neue Eigentümer wollten Galeria stärker über Shop-in-Shop-Konzepte, lokale Sortimente, Gastronomie und Kooperationen neu positionieren. Partner wie Decathlon und Lidl sollten zusätzliche Frequenz bringen.
Onlinegeschäft bleibt Schwachstelle
Ein weiterer struktureller Schwachpunkt ist das Onlinegeschäft. Galeria betreibt zwar einen eigenen Shop und bietet Omnichannel-Services an, verfügt digital aber über keine klar erkennbare Positionierung gegenüber Amazon, Zalando, Otto oder den Onlineshops großer Marken.
Zugleich ist E-Commerce teuer: IT, Logistik, Versand, Retouren und Online-Marketing belasten die Kostenbasis erheblich. Für Galeria entsteht damit ein Dilemma: Ohne starken Onlinekanal verliert der Konzern Reichweite und jüngere Kunden, ein eigener Vollsortiments-Shop kann bei zu geringen Volumina und Margen jedoch selbst zum Kosten
Beschäftigte stehen erneut unter Druck
Für die rund 12.000 Beschäftigten ist die Lage besonders angespannt. Eine erneute Zahlung von Insolvenzgeld könnte nicht automatisch gesichert sein, falls die Planüberwachung aus dem vorherigen Verfahren noch besteht.
Damit wird die Finanzierung des laufenden Betriebs erneut zur zentralen Frage. Ohne ausreichende Liquidität könnten selbst kurzfristig Löhne, Warenbeschaffung und laufende Standortkosten zum Problem werden.
Galeria steht vor grundlegendem Überlebenskampf
Die vierte Insolvenz unterscheidet sich von früheren Verfahren dadurch, dass viele klassische Sanierungsinstrumente bereits mehrfach eingesetzt wurden. Filialnetz, Verwaltung, Mieten und Finanzierung wurden in den vergangenen Jahren wiederholt restrukturiert.
Im neuen Verfahren dürfte deshalb stärker als zuvor geprüft werden, wie viele der verbliebenen 83 Häuser unter realistischen Umsatzannahmen tatsächlich dauerhaft tragfähig sind. Die Zukunft der Kette hängt nun von der Liquiditätslage, den Verhandlungen mit Gläubigern und Vermietern sowie den Entscheidungen im Insolvenzverfahren ab.




