Cyberkriminalität in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich zugenommen. Das geht aus dem aktuellen Threat Report des Sicherheitsunternehmens Gen hervor, der vor allem einen Wandel der Angriffsmethoden beschreibt: Statt klassischer Malware setzen Angreifer zunehmend auf Täuschung und missbrauchen vertrauenswürdige digitale Prozesse.
Deutliche Zuwächse bei zentralen Bedrohungen
Besonders stark gestiegen sind sogenannte Dropper, deren Einsatz um 160 Prozent zunahm. Auch Trojaner verzeichneten mit plus 145 Prozent einen deutlichen Anstieg, während Betrugsfälle im Zusammenhang mit Online-Shops um 134 Prozent zulegten.
Weitere relevante Entwicklungen betreffen Fernzugriffstrojaner (+69 Prozent) sowie Phishing-Angriffe (+47 Prozent). Insgesamt stieg das allgemeine Betrugsrisiko in Deutschland um mehr als die Hälfte, während auch Passwortdiebstahl und Schadsoftware weiter zunahmen.
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Angriffe nutzen gezielt bestehendes Vertrauen
Laut Bericht verändern sich die Strategien der Cyberkriminellen grundlegend. Viele Angriffe sind so gestaltet, dass sie wie alltägliche digitale Interaktionen wirken. So beziehen sich Betrugsversuche etwa auf echte Hotelbuchungen oder nutzen bestehende Kommunikationskanäle wie Messenger-Dienste.
Auch scheinbar legitime Prozesse wie Software-Updates oder Finanztransaktionen werden gezielt ausgenutzt. In vielen Fällen greifen Angreifer auf bereits verifizierte Konten oder bestehende Berechtigungen zurück, bevor die eigentliche Bedrohung sichtbar wird.
Deutschland stark von Betrugswellen betroffen
Deutschland gehört international zu den besonders betroffenen Ländern. Im ersten Halbjahr 2026 wurden hier 2,3 Millionen Angriffe im Zusammenhang mit Tech-Support-Betrug abgewehrt – weltweit der dritthöchste Wert.
Typisch sind dabei täuschend echte Fehlermeldungen, die etwa das Windows-Sicherheitscenter imitieren und Nutzer zur Kontaktaufnahme mit angeblichen Supportstellen bewegen. Auch gefälschte Online-Shops und Identitätsdiebstahl nehmen deutlich zu.
Globale Trends verstärken Entwicklung
Der Bericht zeigt auch international eine starke Zunahme von Betrugs- und Tracking-Aktivitäten. So wurden weltweit über 114 Millionen Angriffe im Zusammenhang mit Fake-Shops blockiert, während Identitätsbetrug in familiärem Kontext massiv zunahm.
Zudem registrierten die Analysten Milliarden Tracking-Versuche und einen deutlichen Anstieg von Web-Skimming-Angriffen. Insgesamt deutet dies auf eine zunehmende Professionalisierung und Skalierung cyberkrimineller Aktivitäten hin.
KI-Agenten als neue Angriffsfläche
Ein wachsender Risikofaktor sind laut Gen sogenannte KI-Agenten. Diese können eigenständig im Internet agieren, auf Daten zugreifen und Software installieren. Erste Analysen zeigen, dass Angreifer versuchen, solche Systeme für schädliche Aktionen zu missbrauchen, etwa durch das Ausführen von Code oder den Zugriff auf sensible Daten.
Damit verlagert sich der Fokus der Cyberangriffe zunehmend auf Umgebungen, in denen bereits Vertrauen besteht – von digitalen Plattformen bis hin zu automatisierten KI-Systemen. Für Unternehmen und Nutzer bedeutet dies, dass klassische Sicherheitsmechanismen allein nicht mehr ausreichen dürften.






