Google Cloud hat auf seiner Veranstaltung „Gemini at Work“ einen neuen universellen KI-Agenten vorgestellt. Die Lösung soll Unternehmen ermöglichen, komplexe Aufgaben über eine zentrale Benutzeroberfläche an künstliche Intelligenz zu delegieren.
Anders als klassische Chatbots soll der Gemini-Agent nicht nur Informationen liefern, sondern Arbeitsprozesse eigenständig planen und ausführen. Dazu kann er auf Unternehmensdaten, Softwareanwendungen und spezialisierte KI-Werkzeuge zugreifen.
Gemini übernimmt vollständige Arbeitsabläufe
Der neue Agent verarbeitet über eine zentrale Eingabeoberfläche Aufgaben aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen. Dazu gehören Dokumentenerstellung, Datenanalyse, Programmierung und organisatorische Tätigkeiten.
Anwender definieren das gewünschte Ergebnis, während Gemini die erforderlichen Arbeitsschritte selbst organisiert. Bei umfangreichen Projekten kann das System zusätzliche spezialisierte KI-Agenten einsetzen und deren Zusammenarbeit koordinieren.
Die Verarbeitung erfolgt cloudbasiert. Dadurch können länger laufende Aufgaben auch nach dem Schließen eines Geräts fortgesetzt werden. Unternehmensbezogene Informationen und bisherige Arbeitsabläufe bleiben dabei als Kontext verfügbar.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Integration in Google Workspace und Unternehmenssoftware
Google integriert die neuen Funktionen direkt in Gmail, Drive, Docs, Sheets, Slides, Chat und Calendar. Mitarbeiter sollen dadurch Aufgaben innerhalb ihrer gewohnten Anwendungen an Gemini übertragen können.
Beispielsweise kann der Agent Besprechungen koordinieren, Informationen aus mehreren Dokumenten zusammenführen oder Präsentationen auf Grundlage vorhandener Unternehmensdaten erstellen.
Über Schnittstellen unterstützt die Plattform außerdem externe Systeme wie Microsoft 365, Slack, Salesforce, ServiceNow und verschiedene Datenbanklösungen.
Für Teams lassen sich eigene KI-Agenten mit definierten Zuständigkeiten einrichten. Diese erhalten separate digitale Identitäten und können innerhalb festgelegter Zugriffsrechte zusammenarbeiten.
Google öffnet Gemini für KI-Modelle anderer Anbieter
Eine wichtige Neuerung betrifft die Modellauswahl. Gemini soll abhängig von der jeweiligen Aufgabe automatisch ein geeignetes KI-Modell verwenden.
Neben Googles eigenen Modellen unterstützt die Plattform zunächst auch Claude von Anthropic. Weitere proprietäre und offene Modelle sollen folgen.
Mit dieser Architektur will Google die Qualität der Ergebnisse verbessern und gleichzeitig die Betriebskosten begrenzen. Ergänzend stehen Funktionen zur automatischen Modellzuweisung und zur Begrenzung von KI-Ausgaben bereit.
Sicherheit und Kontrolle für Unternehmen
Google richtet das Angebot zunächst auf Geschäftskunden aus. Im Mittelpunkt stehen dabei Anforderungen an Datenschutz, Berechtigungen und die Nachvollziehbarkeit automatisierter Prozesse.
Jeder KI-Agent erhält eine eigene Identität mit festgelegten Zugriffsrechten. Aktivitäten werden protokolliert, während Sicherheitsrichtlinien den Zugriff auf sensible Unternehmensinformationen begrenzen sollen.
Nach Angaben von Google nutzen bereits nahezu 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen Gemini Enterprise. Insgesamt erreicht Gemini mehr als eine Milliarde monatlich aktive Nutzer.
KI-Agenten sollen auch Handel und Dienstleistungen verändern
Google verweist auf zahlreiche Unternehmen, die KI-Agenten bereits für operative Aufgaben einsetzen. Dazu gehören Anwendungen im Kundenservice, in der Finanzanalyse und im Onlinehandel.
Der Kosmetikhändler Ulta Beauty nutzt beispielsweise einen KI-Einkaufsassistenten für personalisierte Produktempfehlungen. Bei den australischen Handelsunternehmen Kmart und Officeworks sollen entsprechende Anwendungen die Konversionsraten deutlich erhöht haben.
Mit dem neuen Gemini-Agenten will Google solche automatisierten Abläufe auf weitere Unternehmensbereiche übertragen. Eine spätere Einführung für Privatnutzer ist ebenfalls vorgesehen.





