In der laufenden Tarifrunde des Groß- und Außenhandels haben die Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen ein konkretes Angebot für höhere Entgelte vorgelegt. Vorgesehen ist eine zweistufige Lohnerhöhung von insgesamt 3,4 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten.
Die Arbeitgeber verweisen dabei auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche. Fehlendes Wachstum, steigende Kosten und eine hohe Insolvenzdynamik hätten die finanziellen Spielräume vieler Unternehmen deutlich eingeschränkt.
Schwache Konjunktur belastet Branche
Der Groß- und Außenhandel steht seit längerem unter wirtschaftlichem Druck. Als Schnittstelle zwischen Industrie und Einzelhandel reagiert die Branche besonders sensibel auf schwache Konsumnachfrage und rückläufige Industrieproduktion.
Nach Angaben der Arbeitgeber haben stagnierende Umsätze, steigende Betriebskosten und sinkende Investitionsbereitschaft die Ertragslage vieler Unternehmen belastet. Gleichzeitig nehme die Zahl der Insolvenzen und Restrukturierungen spürbar zu.
Die Tarifgeschäftsführerin des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Judith Röder, spricht deshalb von grundlegend veränderten Rahmenbedingungen für die Tarifpolitik. Lohnsteigerungen müssten sich weiterhin an der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Unternehmen orientieren.
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Angebot sieht zwei Erhöhungsstufen vor
Das nun vorgelegte Angebot umfasst eine Entgelterhöhung von insgesamt 3,4 Prozent über zwei Jahre. Konkret schlagen die Arbeitgeber eine Erhöhung um 1,8 Prozent im Monat nach Abschluss der Tarifverhandlungen sowie weitere 1,6 Prozent ab Mai 2027 vor.
Mit der langen Laufzeit wollen die Arbeitgeber nach eigenen Angaben zusätzliche Planungssicherheit schaffen. Gleichzeitig sehen sie das Angebot als deutliche Annäherung an die Gewerkschaftsseite.
Ob die Arbeitnehmervertreter dies als ausreichende Grundlage für einen Abschluss akzeptieren, bleibt offen. Die nächste Verhandlungsrunde in Nordrhein-Westfalen ist für den 18. Juni 2026 angesetzt.
NRW-Tarifrunde hat Signalwirkung
Die Tarifverhandlungen in Nordrhein-Westfalen gelten traditionell als richtungsweisend für andere Tarifgebiete im Groß- und Außenhandel. Ein möglicher Abschluss könnte daher Einfluss auf weitere regionale Tarifrunden haben.
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen koordiniert die regional geführten Verhandlungen auf Bundesebene und begleitet die Gespräche strategisch.
Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit dürfte die Tarifrunde auch in anderen Bundesländern stark von der Frage geprägt werden, wie hohe Lohnabschlüsse Unternehmen derzeit überhaupt verkraften können.
Branche zwischen Kostendruck und Fachkräftemangel
Die Verhandlungen spiegeln die schwierige Lage vieler Branchen wider. Unternehmen stehen gleichzeitig unter Druck, Kosten zu begrenzen und qualifizierte Beschäftigte langfristig zu halten.
Besonders im Großhandel treffen steigende Personal-, Energie- und Finanzierungskosten auf niedrige Margen und begrenzte Preisspielräume. Hinzu kommen Investitionen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue regulatorische Anforderungen.
Vor diesem Hintergrund versuchen die Arbeitgeber, moderate Tarifabschlüsse mit langfristiger Planungssicherheit zu verbinden. Gleichzeitig wächst gesellschaftlich und politisch der Druck, reale Einkommenssteigerungen für Beschäftigte sicherzustellen.
Ob die Tarifparteien in den kommenden Wochen einen Kompromiss finden oder Arbeitskampfmaßnahmen drohen, dürfte maßgeblich vom weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen.



