Der Fachkräftemangel bleibt eine der zentralen Herausforderungen im Handel – trotz einer leicht entspannten Lage am Arbeitsmarkt. Laut der aktuellen EHI-Studie „Talents4Retail 2026“ steigt zwar die Zahl der Bewerbungen, doch die Qualität der Kandidatinnen und Kandidaten hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Unternehmen reagieren darauf zunehmend mit gezielten Employer-Branding-Maßnahmen und dem verstärkten Einsatz digitaler Technologien.
Mehr Bewerbungen, aber sinkende Passgenauigkeit
Die Mehrheit der Händler verzeichnet ein wachsendes Bewerberaufkommen: Über die Hälfte berichtet von einem leichten Anstieg, weitere 41 Prozent sogar von deutlich mehr Bewerbungen. Gleichzeitig beklagen viele Unternehmen eine sinkende Eignung der Kandidaten. Offene Stellen – insbesondere in Zentralfunktionen – bleiben häufig unbesetzt, da Bewerber hohe Erwartungen mitbringen, jedoch nicht immer über die erforderlichen Qualifikationen verfügen.
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Strukturelle Hürden im Recruiting
Zu den wichtigsten Gründen für unbesetzte Positionen zählen neben überhöhten Gehalts- und Arbeitszeitvorstellungen auch Qualifikationsdefizite. Hinzu kommen begrenzte Budgets im Recruiting. In den Filialen erschweren vor allem das Image des Handels mit langen Öffnungszeiten sowie geringe personelle Ressourcen im HR-Bereich die Personalgewinnung. Diese strukturellen Faktoren wirken sich weiterhin negativ auf die Besetzung offener Stellen aus.
Neue Recruiting-Strategien und digitale Tools
Unternehmen passen ihre Strategien zunehmend an: In Zentralen gewinnen flexible Arbeitsmodelle wie Remote Work an Bedeutung, während Filialen und Logistik vor allem auf vereinfachte Bewerbungsprozesse setzen. Kurze Bewerbungswege, etwa über Messenger-Dienste oder Videoformate, sollen die Hürden für Bewerbende senken. Gleichzeitig wird der Quereinstieg gezielt gefördert, um den Talentpool zu erweitern.
Künstliche Intelligenz als Zukunftstreiber
Der Einsatz von KI entwickelt sich zum entscheidenden Faktor im Recruiting. Während datenbasierte Anwendungen in Zentralen bereits etabliert sind, steckt ihr Einsatz in Filialen und Logistik noch in der Entwicklung. Perspektivisch erwarten Branchenverantwortliche jedoch eine umfassende Integration von KI entlang des gesamten Recruiting-Prozesses – von der Erstellung zielgruppenspezifischer Stellenanzeigen über die Vorauswahl bis hin zum Bewerbermanagement. Auch die Personalplanung wird zunehmend datengetrieben und adaptiv gestaltet, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können.





