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Stadtbild-Debatte: 20 Prozent aller Deutschen fühlen sich „unsicher“ in Innenstädten

Ueberwachungskameras an einer Wand
Symbolbild - Foto: Pexels

Key takeaways

Eine neue HDE-Befragung zeigt: Nur noch 78 Prozent der Menschen fühlen sich in deutschen Innenstädten sicher. Einzelhandelsgeschäfte gelten als wichtigste Stabilitätsfaktoren, während Leerstände und ein schlechter Zustand des öffentlichen Raums das Sicherheitsgefühl spürbar beeinträchtigen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Spätestens seit der „Stadtbild“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz werden Themen wie innere Sicherheit und Kriminalität auch im Zusammenhang mit den Problemen des stationären Einzelhandels besprochen. Zwar fühlt sich die Mehrheit der Menschen in Deutschland in Innenstädten weiterhin sicher, doch die Herausforderungen wachsen und werden größer, wie neue Daten einer Befragung zeigen.

Eine repräsentative Studie im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) gibt interessante Einblicke zum Sicherheitsgefühl der Deutschen – und dass insbesondere der Einzelhandel eine zentrale Rolle für urbane Zentren spielt.

Sicherheitswahrnehmung – mit großen Einschränkungen

Rund 78 Prozent der Befragten geben an, sich in Innenstädten sicher zu fühlen. Gleichzeitig bleibt jedoch ein signifikanter Anteil von etwa einem Fünftel, der die zuletzt besuchte Innenstadt als „unsicher“ empfindet.

Besonders kritisch: Für mehr als ein Viertel der Befragten hat sich das Sicherheitsgefühl in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert. Die Problematik scheint demnach größer zu werden.

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Einzelhandel als zentraler Sicherheitsfaktor

Einzelhandelsgeschäfte werden von 90 Prozent der Befragten als „sichere Orte“ wahrgenommen. Damit liegen sie noch vor Gastronomie und Einkaufszentren. Belebte Geschäfte, sichtbares Personal und beleuchtete Schaufenster tragen maßgeblich dazu bei, dass sich Menschen sicher fühlen.

Warum 10 Prozent selbst den Einzelhandel als unsicher empfinden, wird aus der Umfrage nicht ersichtlich.

Öffentlicher Raum mit Defiziten

Deutlich kritischer wird der öffentliche Raum bewertet. Bereiche wie Parks, Grünflächen oder Parkhäuser schneiden beim Sicherheitsgefühl deutlich schlechter ab. Selbst an öffentlichen Plätzen sagen 25 Prozent der Befragten, dass sie sich unsicher fühlen. Bei Parks und Haltestellen des ÖVPN fühlen sich bereits 35 Prozent unsicher, in Parkhäusern sogar rund die Hälfte (48 Prozent).

Leerstände als größtes Problem

Ein zentrales Ergebnis der Studie mit Blick auf den Einzelhandel ist die negative Wirkung von Leerständen. 73 Prozent der Befragten sehen darin einen Faktor, der das Sicherheitsgefühl mindert.

Verlassene Ladenflächen und ein ungepflegtes Stadtbild verstärken den Eindruck von Unsicherheit und wirken sich direkt auf die Attraktivität der Innenstädte aus.

HDE: Forderung nach politischem Handeln

Der HDE fordert angesichts dieser Entwicklung ein stärkeres Engagement der Politik. Ziel müsse es sein, Leerstände schneller zu reduzieren und die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel zu verbessern. Dazu zählen unter anderem niedrigere Energiekosten, steuerliche Entlastungen sowie gezielte Förderprogramme für Gründerinnen und Gründer.

Alleine für dieses Jahr prognostiziert der Verband mit bis zu 5.000 Schließungen bis Jahresende. Bis Ende 2026 dürfte die Gesamtzahl der Geschäfte laut HDE auf rund 296.600 sinken. Vor zehn Jahren existierten in Deutschland noch rund 366.800 stationäre Einzelhandelsstandorte.

Neue Nutzungskonzepte für Innenstädte

Ein möglicher Lösungsansatz liegt in der temporären Nutzung leerstehender Flächen. Kommunen könnten diese gezielt als Innovationsräume zur Verfügung stellen, um neue Geschäftsmodelle zu fördern.

Unterstützungsmaßnahmen wie Mietzuschüsse, Investitionshilfen und Schulungsangebote könnten dabei helfen, neue Einzelhandelskonzepte in die Innenstädte zu bringen.

Bedeutung für die Zukunft der Stadtzentren

Die Studie macht deutlich, dass lebendige Innenstädte eng mit einem starken Einzelhandel verbunden sind. Wo Geschäfte schließen, sinken nicht nur Frequenz und Umsatz, sondern auch das Sicherheitsgefühl. Umgekehrt kann ein vielfältiger Branchenmix dazu beitragen, Innenstädte attraktiv, belebt und sicher zu halten.

Fazit: Innenstädte im Wandel

Die Ergebnisse zeigen, dass Innenstädte vor einem strukturellen Wandel stehen. Auch wenn die Studie von „einer großen Mehrheit, die sich sicher fühlt“ spricht, sollte insgesamt besorgen, dass ein Fünftel der Befragten sich unsicher in deutschen Innenstädten fühlt – mit Tendenz nach unten.

Der Einzelhandel bleibt zweifelsohne einer der zentraler Bausteine, muss jedoch durch neue Konzepte und politische Unterstützung ergänzt werden. Nur durch ein Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und Stadtentwicklung lässt sich die Attraktivität und Sicherheit urbaner Zentren langfristig sichern.

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