Ein Bericht der französischen Verbraucherschutzbehörde DGCCRF hat schwerwiegende Verstöße auf mehreren großen Online-Marktplätzen offengelegt. Neben dem bereits stark kritisierten chinesischen Anbieter Shein sollen auch Plattformen wie Temu, Wish, AliExpress, eBay, Joom und Amazon in Frankreich unzulässige Produkte angeboten haben. Dabei reichten die entdeckten Artikel von Waffen wie Schlagringen und Macheten bis hin zu kindlich wirkenden Sexpuppen.
Laut einem Sprecher des französischen Handelsministers Serge Papin sei insbesondere der Jugendschutz in vielen Fällen missachtet worden. So konnten Minderjährige auf Amazon, Temu und Wish ungehindert auf jugendgefährdende Inhalte zugreifen. Die Plattformen wurden daraufhin an die zuständigen Staatsanwaltschaften verwiesen.
Politische Reaktion auf EU-Ebene geplant
Papin kündigte außerdem an, seine europäischen Amtskollegen nach Paris einzuladen, um das Thema grenzüberschreitend zu erörtern. Ziel sei es, einen einheitlichen Umgang mit rechtswidrigen Inhalten auf digitalen Marktplätzen zu finden und lokale Einzelhändler besser zu schützen. Diese beklagen seit längerem eine Wettbewerbsverzerrung durch Billigangebote aus dem Ausland.
Die betroffenen Unternehmen – darunter Amazon, Temu, eBay, AliExpress und Joom – haben laut Reuters bislang nicht auf Anfragen der Presse reagiert.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Shein entfernt verbotene Produkte, Verfahren ausgesetzt
Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stand zuletzt Shein. Die Plattform war wegen des Angebots von Sexpuppen, Waffen und rezeptpflichtigen Medikamenten massiv unter Druck geraten. Die französische Regierung leitete ein Verfahren zur Sperrung der Seite ein, das jedoch ausgesetzt wurde, nachdem Shein sämtliche beanstandeten Produkte entfernt hatte. Shein selbst zeigte sich einsichtig und betonte, in engem Austausch mit den Behörden zu stehen und fortlaufend an Verbesserungen zu arbeiten. Die Plattform hatte kurz vor der Eskalation ihren ersten stationären Shop im Pariser Kaufhaus BVH Marais eröffnet.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen, wie sensibel das Thema Produktsicherheit auf Online-Marktplätzen mittlerweile ist. Die französische Regierung macht deutlich, dass sie Plattformen nicht nur zur Verantwortung ziehen, sondern im Zweifel auch blockieren will.


