Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist 2025 auf ein neues Zehnjahreshoch gestiegen. Insgesamt meldeten laut Creditreform 23.900 Firmen Insolvenz an – ein Anstieg um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Obwohl der Zuwachs damit schwächer ausfiel als in den beiden Vorjahren, bleibt das Insolvenzgeschehen auf hohem Niveau. Insbesondere mittelständische Unternehmen stehen unter Druck, weil sie häufig hoch verschuldet sind, Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme haben und mit strukturellen Herausforderungen wie steigenden Energiepreisen und zunehmender Regulierung konfrontiert werden.
Kleinstunternehmen besonders betroffen
Besonders hart trifft es Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten: Sie machen mit rund 19.500 Fällen etwa 81,6 Prozent aller Firmenpleiten aus. Das sind rund 1.600 mehr als im Vorjahr. Großunternehmen mit über 250 Mitarbeitern verzeichneten dagegen nur moderate Anstiege – 2025 wurden rund 140 solcher Fälle gemeldet. Auffällig ist zudem die hohe Zahl an Insolvenzen in der Gesundheits- und Pflegebranche, die mehrfach mit größeren Fällen vertreten war. Auch der Einzelhandel ist massiv betroffen – erst letzte Woche meldete Allianz Trade den 9-Jahres-Höchstand von Insolvenzen im Handel.
Die Schäden für Gläubiger wie Banken und Lieferanten bleiben erheblich: Laut Schätzung der Creditreform Wirtschaftsforschung belaufen sich die Forderungsausfälle auf rund 57 Mrd. Euro – nur leicht unter dem Niveau von 2024. Im Schnitt summieren sich die ausfallbedrohten Forderungen auf über zwei Mio. Euro pro Fall. Etwa 285.000 Arbeitnehmer waren 2025 von den Insolvenzen betroffen.
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Auch Verbraucher zunehmend überschuldet
Neben den Firmen geraten auch immer mehr Privatpersonen in finanzielle Not. Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg 2025 um 6,5 Prozent auf rund 76.300 Fälle – der höchste Stand seit 2016. Hauptursache ist die zunehmende Überschuldung: Derzeit gelten bundesweit 5,67 Millionen Menschen als überschuldet. Hohe Lebenshaltungskosten, Arbeitsplatzverluste und steigende Arbeitslosigkeit bringen viele Haushalte an ihre finanziellen Grenzen.
Ein besonders starker Anstieg der Firmeninsolvenzen war im Verarbeitenden Gewerbe (+10,3 Prozent) und im Handel (+10,4 Prozent) zu verzeichnen. Im Baugewerbe fiel der Anstieg mit +4,7 Prozent geringer aus. Im Dienstleistungssektor lag das Plus bei 8,4 Prozent. Insgesamt befinden sich die Fallzahlen in den wichtigsten Wirtschaftsbereichen inzwischen rund ein Drittel über dem Niveau von 2019.
Kreditwürdigkeit sinkt in vielen Branchen
Die Bonität vieler Unternehmen hat sich laut Creditreform ebenfalls verschlechtert. Besonders betroffen ist das Gesundheits- und Sozialwesen, das unter gestiegenen Betriebskosten, unzureichender Finanzierung und hoher bürokratischer Belastung leidet. Am besten schneidet aktuell der Wirtschaftszweig „Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden“ ab. Das Gastgewerbe bleibt trotz leichter Erholung nach der Corona-Krise weiterhin Schlusslicht bei der Bonität.
Ausblick: Insolvenzrisiken bleiben hoch
Für 2026 zeichnet sich kein grundlegender Wandel ab. Creditreform warnt vor anhaltenden Belastungen für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Bürokratie, hohe Kosten und eine schwache Konjunktur könnten die Zahl der Insolvenzen weiter steigen lassen. Hoffnung setzt man auf geplante Investitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Verteidigung, die dem Wachstum neue Impulse geben könnten. Langfristig seien jedoch weitere strukturelle Reformen notwendig – insbesondere bei den Stromkosten – um die wirtschaftliche Basis zu stärken.


