JD.com hat im zweiten Quartal 2026 trotz rückläufiger Erlöse deutlich profitabler gearbeitet. Der chinesische Handels- und Technologiekonzern erzielte einen Umsatz von 346,4 Milliarden Renminbi (RMB; rund 44,1 Milliarden Euro), 2,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Als wesentlichen Grund nennt das Unternehmen die hohe Vergleichsbasis des Vorjahres.
Operativ gelang dagegen eine deutliche Verbesserung. Das Betriebsergebnis erreichte 4,5 Milliarden RMB (rund 573 Millionen Euro), nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 0,9 Milliarden RMB (rund 115 Millionen Euro) angefallen war. Die operative Marge stieg von minus 0,2 auf 1,3 Prozent. Bereinigt erhöhte sich das Betriebsergebnis von 0,9 Milliarden RMB (rund 115 Millionen Euro) auf 5,5 Milliarden RMB (rund 700 Millionen Euro).
Nettogewinn steigt trotz schwächerer Erlöse
Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn erhöhte sich von 6,2 Milliarden RMB (rund 789 Millionen Euro) auf 7,1 Milliarden RMB (rund 904 Millionen Euro). Bereinigt erreichte JD.com 8,9 Milliarden RMB (rund 1,13 Milliarden Euro) nach 7,4 Milliarden RMB (rund 942 Millionen Euro) im Vorjahr. Das Non-GAAP-EBITDA stieg besonders kräftig von 3,0 Milliarden RMB (rund 382 Millionen Euro) auf 7,9 Milliarden RMB (rund 1,01 Milliarden Euro).
Hinter dem Umsatzrückgang stehen vor allem niedrigere Produkterlöse, die um 5,4 Prozent nachgaben. Die Serviceerlöse entwickelten sich dagegen positiv und legten um 6,8 Prozent zu. Gleichzeitig reduzierte JD.com seine Marketingausgaben um 24,8 Prozent auf 20,3 Milliarden RMB (rund 2,58 Milliarden Euro), während die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 37,7 Prozent auf 7,3 Milliarden RMB (rund 929 Millionen Euro) stiegen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kerngeschäft bleibt profitabel
JD Retail erzielte im Quartal ein operatives Ergebnis von 13,5 Milliarden RMB (rund 1,72 Milliarden Euro) nach 13,9 Milliarden RMB (rund 1,77 Milliarden Euro) im Vorjahreszeitraum. Die operative Marge verbesserte sich dennoch leicht von 4,5 auf 4,6 Prozent. Finanzchef Ian Su Shan bezeichnete dies als Rekordwert für eine große Aktionsperiode.
Parallel baut JD.com sein Handelsangebot aus. Während der diesjährigen 618-Verkaufsaktion eröffnete das Unternehmen weitere JD-MALL-Standorte in Shanghai und Hongkong. Ende Juni betrieb das Format insgesamt 30 Geschäfte. Im Luxus- und Beautygeschäft verstärkte JD.com sein Angebot unter anderem durch eine strategische Partnerschaft mit Chanel.
Auch international bekannte Händler werden stärker eingebunden. Costco machte JD.com im Juli zu seinem alleinigen offiziellen E-Commerce-Partner in China. Über einen Flagship-Store auf der Plattform sollen ausgewählte internationale Produkte landesweit angeboten und teilweise noch am selben Tag ausgeliefert werden.
KI und autonome Logistik werden ausgebaut
Künstliche Intelligenz gewinnt innerhalb des Konzerns weiter an Bedeutung. Der auf dem eigenen JoyAI-Modell basierende Hardware-Agent JoyInside arbeitet inzwischen mit annähernd 200 Marken zusammen. Die Zahl der angebundenen Geräte hat sich gegenüber der 11.11-Verkaufsaktion des Vorjahres nach Unternehmensangaben mehr als verdreifacht.
JD Logistics setzt zugleich verstärkt auf autonome Zustellung. Bis zum Ende des zweiten Quartals waren mehrere Tausend unbemannte Fahrzeuge in mehr als 20 chinesischen Provinzen regulär im Einsatz. In Shenzhen startete das Unternehmen erstmals autonome Nachtzustellungen und ermöglicht damit einen durchgehenden Fahrzeugbetrieb.
Auch JD Health und JD Industrials erweitern ihre KI-Anwendungen. JD Industrials hatte im ersten Halbjahr mehr als 70 KI-Agenten entlang der Prozesskette von der Beschaffung bis zur Auslieferung eingesetzt. Bei JD Health stieg die Zahl der Nutzer des KI-Assistenten „Dr. Da Wei“ während der 618-Aktion nahezu auf das Vierfache des Vorjahreswerts.
Neue Geschäfte reduzieren Verluste
Fortschritte meldet JD.com auch bei seinen jüngeren Geschäftsaktivitäten. Die Verluste im Segment New Businesses gingen deutlich zurück, insbesondere weil der Investitionsbedarf beim Essenslieferdienst JD Food Delivery sank. Das Unternehmen verweist dabei auf höhere operative Effizienz und eine breitere Erlösbasis.
Im europäischen Onlinehandel setzt JD.com seine Aktivitäten mit Joybuy fort. Während einer „Summer Black Friday“-Aktion verzeichnete die Plattform nach Unternehmensangaben eine starke Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Technologieprodukten. Dabei setzt JD.com auch in Europa auf schnelle Lieferungen und kombinierte Liefer- und Installationsservices.
Aktienrückkäufe und Cashflow stärken Finanzprofil
Der freie Cashflow erreichte im zweiten Quartal 31,8 Milliarden RMB (rund 4,05 Milliarden Euro), gegenüber 22,0 Milliarden RMB (rund 2,80 Milliarden Euro) im Vorjahresquartal. Zum 30. Juni verfügte JD.com einschließlich kurzfristiger Anlagen und gebundener Mittel über liquide Ressourcen von 235,1 Milliarden RMB (rund 29,9 Milliarden Euro).
Gleichzeitig kaufte der Konzern im ersten Halbjahr Aktien im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar (rund 860 Millionen Euro) zurück. Das entsprach etwa 2,5 Prozent der zum Jahresende 2025 ausstehenden Stammaktien. Unter dem bis August 2027 laufenden Rückkaufprogramm standen Ende Juni noch rund eine Milliarde US-Dollar (rund 860 Millionen Euro) zur Verfügung.
Die Quartalszahlen zeigen damit eine Verschiebung der Prioritäten: Trotz des kurzfristigen Umsatzrückgangs verbessert JD.com seine Profitabilität und investiert gleichzeitig stärker in Technologie. Besonders KI, autonome Logistik und effizientere neue Geschäftsmodelle sollen die operative Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte unterstützen.






