Der Einsatz generativer KI-Lösungen soll Büroangestellten Routinetätigkeiten abnehmen und Zeit für wertschöpfende Aufgaben schaffen. Doch eine aktuelle Umfrage der Jobplattform Indeed zeigt, dass dieses Versprechen vielerorts noch nicht eingelöst wird: Drei Viertel der befragten Berufstätigen in Deutschland gewinnen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz maximal drei Stunden pro Woche.
Kaum produktiver Nutzen der gewonnenen Zeit
Laut der Befragung schätzen 38,7 Prozent ihren Zeitgewinn auf ein bis drei Stunden und weitere 20,2 Prozent auf unter eine Stunde. Nur acht Prozent profitieren von mehr als sechs Stunden pro Woche. Doch selbst die freigewordene Zeit wird oft nicht strategisch genutzt: Über 20 Prozent verbringen sie mit Pausen, knapp 23 Prozent erledigen Verwaltungsaufgaben, sieben Prozent nehmen an Meetings teil, die sie vorher ausgelassen hätten.
Fast die Hälfte der Befragten glaubt zudem, dass ihre Unternehmen die durch KI gewonnene Zeit nicht sinnvoll einsetzen. Der Effekt bleibt nicht nur auf individueller Ebene begrenzt, sondern zeigt sich auch im kollektiven Arbeitsverhalten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Fehlende KI-Kultur als Hauptursache
Ein zentraler Grund für die ausbleibenden Effizienzgewinne liegt im Umgang der Unternehmen mit dem Thema: 63,5 Prozent der Befragten sehen keine aktive Förderung des KI-Einsatzes in ihrem Arbeitsumfeld. Bei über elf Prozent wird der Umgang mit KI sogar kritisch betrachtet.
Auch der Austausch zur Nutzung bleibt auf der Strecke: Nur eine Minderheit spricht offen über eigene Erfahrungen mit KI. Hauptgründe für das Schweigen sind fehlende Zeit, Datenschutzbedenken und die Angst, als weniger kompetent zu gelten. Ein weiteres Motiv ist strategisches Schweigen – um Effizienzgewinne nicht preiszugeben oder zusätzliche Aufgaben zu vermeiden.
Wo KI gefördert wird, steigen Produktivität und Zeitgewinn
Anders sieht es in Unternehmen mit aktiver KI-Förderung aus. In dieser Gruppe kommunizieren 62,6 Prozent offen über den KI-Einsatz im Team. Sie profitieren deutlich stärker: 18 Prozent dieser Befragten gewinnen mehr als sechs Stunden pro Woche – das ist mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt.
Zudem werden in diesen Unternehmen die freigewordenen Zeiten häufiger für Weiterbildungen, kreative oder produktive Aufgaben genutzt. Nur 9,4 Prozent verwenden sie für private Pausen. Insgesamt zeigt sich: Wo KI nicht nur bereitgestellt, sondern auch kulturell verankert wird, lässt sich ihr volles Potenzial deutlich besser ausschöpfen.
Appell an Unternehmen: Offenheit schaffen
Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, mahnt zur Schaffung klarer Rahmenbedingungen: „Allein die Verfügbarkeit von KI reicht nicht aus. Unternehmen müssen Unsicherheiten abbauen, Datenschutzbedenken adressieren und eine offene Kommunikationskultur etablieren.“
Nur wenn ein angstfreier Austausch möglich sei, könne die durch KI gewonnene Zeit tatsächlich in Innovationen oder strategische Weiterentwicklung investiert werden. Ansonsten drohe langfristig ein Wettbewerbsnachteil.


