Trotz wachsender Bedrohung durch KI-gestützte Cyberangriffe reagieren viele Unternehmen zu zögerlich. Das geht aus einer aktuellen BCG-Studie hervor, für die weltweit 500 Führungskräfte befragt wurden. 60 % der Unternehmen vermuten, im vergangenen Jahr Opfer einer KI-basierten Attacke gewesen zu sein – doch lediglich 7 % nutzen selbst künstliche Intelligenz zur Abwehr solcher Angriffe.
Verteidigung hinkt der Angriffskraft hinterher
Die Studie beleuchtet, wie rasant sich die Angriffsmethoden dank KI weiterentwickeln. Deepfake-Videos, synthetische Stimmen und automatisierte Phishing-Kampagnen sind heute keine Science-Fiction mehr, sondern bereits Realität. Zu den aufgeführten Fällen gehört unter anderem ein 25-Millionen-Euro-Betrug bei einem Industriekonzern, bei dem ein manipuliertes Videotelefonat den Finanzchef imitierte. Auch ein automatisierter KI-Anruf zur Wahlbeeinflussung und ein Krankenhausangriff mit Operationseinschränkungen zeigen die Bandbreite der Bedrohungen.
Doch die Reaktion auf diese Entwicklung fällt verhalten aus: Nur 5 % der Unternehmen haben ihr Cyberbudget spürbar aufgestockt. Fast 70 % berichten von Schwierigkeiten, qualifiziertes Fachpersonal mit KI-Kompetenz zu finden. Zudem gelten nur ein Viertel der bereits eingesetzten KI-Verteidigungssysteme als wirklich fortschrittlich.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Strategische Neuausrichtung notwendig
Laut BCG sehen die meisten Entscheider die Notwendigkeit, Verteidigungsmaßnahmen künftig konsequenter weiterzuentwickeln. Finanzbetrug mit KI (43 %), KI-gestützte Social-Engineering-Attacken (39 %) und adaptive Malware (26 %) gelten als besonders kritisch für die nächsten zwei Jahre.
BCG fordert ein Umdenken auf höchster Unternehmensebene: CEO und CISO müssten gemeinsam eine durchgängige KI-Cyberstrategie verantworten. Dazu gehören unter anderem ein klar definiertes Investitionsmandat, die Absicherung eigener KI-Systeme sowie eine agile Sicherheitsarchitektur mit mehreren Technologiepartnern. Nur wer autonomes Handeln mit gleichwertiger Autonomie beantwortet, könne langfristig bestehen, so die Autoren.




