Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz in der Logistik wächst rasant – doch die breite Umsetzung bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück. Eine aktuelle Studie von Boston Consulting Group (BCG) zeigt, dass zwar viele Unternehmen mit KI experimentieren, aber nur wenige sie erfolgreich in ihre Kernprozesse integriert haben.
Wachsende Erwartungen auf Kundenseite
Immer mehr Auftraggeber erwarten den Einsatz von KI bei Logistikdienstleistern. Bereits über 40 Prozent der befragten Verlader berücksichtigen entsprechende Fähigkeiten bei der Auswahl ihrer Partner.
Allerdings spielt KI bislang nur selten eine entscheidende Rolle: Weniger als zehn Prozent sehen sie als zwingendes Kriterium. Dennoch deutet der Trend darauf hin, dass die Anforderungen weiter steigen werden.
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Vom Pilot zur Skalierung – eine große Lücke
Rund 40 Prozent der Logistikdienstleister haben KI-Anwendungen bereits über Pilotprojekte hinaus implementiert. Doch nur etwa jedes zehnte Unternehmen hat KI flächendeckend in zentrale Geschäftsprozesse integriert.
Noch geringer ist der messbare Nutzen: Lediglich 13 Prozent der Befragten berichten von konkreten Wertbeiträgen durch KI. Damit bleibt die Branche deutlich hinter ihrem eigenen Anspruch zurück.
Effizienz und Kosten als Haupttreiber
Die Motivation für den Einsatz von KI ist klar definiert. Rund 80 Prozent der Unternehmen nennen Kostensenkung und Effizienzsteigerung als wichtigste Ziele.
Besonders großes Potenzial sehen die Befragten in Bereichen wie Transportplanung, operative Abwicklung, Prognosen und Transparenz entlang der Lieferkette.
Neue Herausforderungen: Organisation statt Technologie
Die größten Hürden liegen inzwischen weniger in der Technologie selbst. Stattdessen kämpfen viele Unternehmen mit unklaren wirtschaftlichen Effekten und fehlenden internen Kompetenzen.
Der Fokus verschiebt sich damit von der Frage „Was ist technisch möglich?“ hin zu „Wie lässt sich KI sinnvoll in bestehende Prozesse integrieren?“.
Deutliche regionale Unterschiede
Die Studie zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen. In Asien-Pazifik haben bereits rund 31 Prozent der Unternehmen KI in ihre Kernprozesse integriert.
In Nordamerika liegt dieser Anteil bei 14 Prozent, während Europa mit lediglich sechs Prozent deutlich zurückfällt. Für europäische Anbieter könnte daraus zusätzlicher Wettbewerbsdruck entstehen.
Investitionen konzentrieren sich auf Integration
Viele Unternehmen richten ihre Investitionen neu aus. Statt weiterer Pilotprojekte steht nun die Integration bestehender KI-Lösungen in operative Systeme im Vordergrund.
Etwa 60 Prozent der befragten Logistikdienstleister planen, in den kommenden Jahren vor allem in die Einbindung von KI in bestehende IT- und Prozesslandschaften zu investieren.
Fazit: Der nächste Schritt entscheidet
Die Logistikbranche steht an einem Wendepunkt. Während das Interesse an KI ungebrochen wächst, wird der Erfolg künftig davon abhängen, ob Unternehmen den Sprung von einzelnen Anwendungen zur skalierbaren Umsetzung schaffen.
Wer es schafft, KI effektiv in den Alltag zu integrieren, kann nicht nur Effizienzgewinne realisieren, sondern auch seine Wettbewerbsposition langfristig sichern.


