Russland hat wesentliche Vermögenswerte der METRO AG unter temporäre externe Verwaltung gestellt. Formal bleibt der Düsseldorfer Großhändler Eigentümer seiner russischen Gesellschaften, die operative Kontrolle des Russlandgeschäfts liegt jedoch ähnlich wie bei Nestlé nicht mehr beim Konzern. Betroffen sind unter anderem Metro Cash & Carry, Metro Warehouse Noginsk und Retail Property 5. Für METRO steigt damit das Risiko, sein Russland-Geschäft dauerhaft wirtschaftlich zu verlieren.
Neuer Verwalter ist eng mit METRO Russland verbunden
Die Verwaltung wurde nicht unmittelbar der staatlichen Vermögensagentur Rosimushchestvo übertragen, sondern der Gesellschaft UK Torg RUS. Auffällig ist, dass das Unternehmen erst am 8. September 2026 gegründet wurde und nach den im Ausgangstext genannten Angaben vom bisherigen Chef des Russland-Geschäfts, Johannes Tolay, kontrolliert wird.
Diese Konstruktion könnte den laufenden Betrieb zunächst stabil halten. METRO Russland erklärte, das operative Geschäft werde fortgeführt. Für die deutsche Konzernzentrale bleibt jedoch entscheidend, dass zentrale unternehmerische Entscheidungen nicht mehr in ihrer Hand liegen.
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Russland war für METRO weiterhin ein bedeutender Markt
METRO hatte sich nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 gegen einen vollständigen Rückzug aus dem Land entschieden. Der Konzern begründete dies unter anderem mit der Versorgung unabhängiger Händler und Gastronomiebetriebe sowie mit der Verantwortung gegenüber seinen Beschäftigten.
Das Geschäft blieb wirtschaftlich relevant. Im ersten Halbjahr 2024/25 erzielte das Russland-Segment rund 1,28 Milliarden Euro Umsatz, im dritten Quartal kamen weitere 664 Millionen Euro hinzu. Medienberichten zufolge betreibt METRO in Russland rund 90 Märkte und beschäftigt etwa 10.000 Menschen.
Moskau greift häufiger auf „temporäre Verwaltung“ zurück
Der Fall METRO reiht sich in eine Serie vergleichbarer Maßnahmen ein. Zuvor waren unter anderem Aktivitäten von Nestlé und Auchan unter externe Verwaltung gestellt worden. Grundlage ist ein russisches Präsidialdekret aus dem Jahr 2023, das den Zugriff auf Vermögenswerte von Unternehmen aus sogenannten „unfreundlichen Staaten“ ermöglicht.
Formal handelt es sich dabei nicht automatisch um eine Enteignung. Die Erfahrungen anderer westlicher Unternehmen zeigen jedoch, dass aus einer vorübergehenden Verwaltung ein dauerhafter Kontroll- oder Vermögensverlust entstehen kann. In früheren Fällen wie Danone oder Carlsbergs Baltika-Tochter veränderten sich Eigentums- und Kontrollstrukturen im Anschluss erheblich.
Bilanzielle Folgen für METRO sind noch offen
Für METRO stellt sich nun auch die Frage nach der bilanziellen Behandlung des Russland-Geschäfts. Entscheidend dürfte sein, ob der Konzern die betroffenen Gesellschaften weiterhin konsolidieren kann und wie Wirtschaftsprüfer den tatsächlichen Verlust der Beherrschung bewerten.
Zu möglichen Abschreibungen oder Wertberichtigungen hat METRO bislang keine abschließenden Angaben veröffentlicht. Angesichts der Größe des Russland-Geschäfts könnten die finanziellen Auswirkungen jedoch erheblich sein.
Kontrollverlust fällt mit Führungswechsel zusammen
Der russische Eingriff trifft METRO zudem in einer personell sensiblen Phase. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Steffen Greubel scheidet zum 30. September 2026 aus. Finanzvorstand Eric Riegger übernimmt zum 1. Oktober den Vorstandsvorsitz.
Damit fällt die weitere strategische und bilanzielle Bewältigung des Russland-Risikos unmittelbar in die Amtszeit des neuen Konzernchefs. Für METRO geht es dabei nicht nur um die Frage des formalen Eigentums, sondern vor allem darum, ob und in welchem Umfang das Russland-Geschäft künftig noch tatsächlich wirtschaftlich kontrolliert werden kann.




