Russland hat die lokalen Aktivitäten des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé unter eine vorläufige externe Verwaltung gestellt. Ein entsprechender Präsidialerlass wurde am 17. September veröffentlicht. Nestlé bestätigte den Schritt und erklärte, die verfügbaren rechtlichen und operativen Optionen zu prüfen.
Das Unternehmen bleibt formal Eigentümer seiner russischen Vermögenswerte, verliert jedoch zunächst wesentliche operative Kontrollrechte. Betroffen sind sechs Produktionsstandorte und rund 7.000 Beschäftigte. Russland steht inzwischen nur noch für etwa ein Prozent des weltweiten Nestlé-Umsatzes.
L.E.V. Management übernimmt vorläufig die Kontrolle
Als externer Verwalter wurde das Moskauer Unternehmen L.E.V. Management eingesetzt. Die Gesellschaft wurde laut der Nachrichtenagentur Reuters 2024 registriert und ist öffentlich bislang kaum in Erscheinung getreten.
Die Maßnahme bedeutet noch keine formelle Enteignung oder Übertragung an einen neuen Eigentümer. Sie schränkt jedoch die wirtschaftliche Verfügungsgewalt Nestlés über die betroffenen Gesellschaften erheblich ein.
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Kreml verweist auf „unfreundliche“ Staaten
Der Kreml begründete den Eingriff damit, dass Nestlé und der ebenfalls betroffene Handelskonzern Auchan aus Staaten stammen, die Russland als „unfreundlich“ einstuft. Die Schweiz hat seit 2022 zahlreiche Sanktionen gegen Russland übernommen.
Russland nutzt das Instrument der temporären Verwaltung seit 2023. Zuvor waren unter anderem Aktivitäten von Danone, Carlsberg und Fortum betroffen. In mehreren Fällen folgten später Verkäufe an russische Käufer.
Nestlé hatte Geschäft bereits zurückgefahren
Nestlé hatte seine russischen Aktivitäten nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eingeschränkt, das Land aber nicht vollständig verlassen. Der Konzern stoppte Werbung, größere Investitionen und zahlreiche Im- und Exporte und konzentrierte sich nach eigenen Angaben auf grundlegende Lebensmittel.
Die verbleibenden Werke produzieren unter anderem Kaffee, Tiernahrung und Säuglingsnahrung. Nestlé erklärte, insbesondere die Fortführung des Betriebs und die Interessen der Beschäftigten sichern zu wollen.
Auch Auchan von Maßnahme betroffen
Parallel stellte Russland auch die Aktivitäten des französischen Handelskonzerns Auchan unter externe Verwaltung. Das Unternehmen beschäftigt dort mehr als 24.000 Menschen und betreibt über 200 Märkte.
Die zeitgleichen Eingriffe zeigen, dass auch Unternehmen mit fortgesetztem Russland-Geschäft nicht vor staatlicher Kontrolle geschützt sind. Für westliche Konzerne steigt damit erneut das politische und wirtschaftliche Risiko einer Präsenz im Land.
Nestlé prüft rechtliche Optionen
Nestlé kündigte an, seine Rechte schützen zu wollen, nannte aber zunächst keine konkreten Schritte. Ob der Konzern gegen die Maßnahme juristisch vorgeht, einen Verkauf vorbereitet oder versucht, seine Aktivitäten langfristig fortzuführen, ist offen.
Wirtschaftlich ist Russland für Nestlé inzwischen vergleichsweise klein. Strategisch bleibt der Fall dennoch bedeutsam, weil er zeigt, wie schnell formales Eigentum und tatsächliche Kontrolle über langjährig aufgebaute Unternehmenswerte auseinanderfallen können.


