Die wirtschaftliche Lage des deutschen Mittelstands verschlechtert sich zunehmend. Bereits im dritten Jahr in Folge verzeichnen Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) rückläufige Umsätze. Der Druck durch steigende Kosten und sinkende Einnahmen ist mittlerweile so hoch, dass viele Betriebe ihre Geschäftstätigkeit infrage stellen müssen. Die aktuelle Auswertung „DATEV Spotlight Insolvenzen“ (PDF) belegt: Der Mittelstand verliert spürbar an wirtschaftlicher Substanz.
Beschäftigungs- und Umsatzanteile sinken trotz wachsender Unternehmenszahl
Die Daten zeigen, dass der Anteil der KMU an Umsatz, Beschäftigung und Bruttowertschöpfung in den Jahren 2018 bis 2023 signifikant gesunken ist – trotz eines Anstiegs der Unternehmensanzahl um 22 Prozent auf 3,16 Millionen Betriebe. Die Löhne stiegen im selben Zeitraum stark: um 5,1 Prozent im Jahr 2023 und weitere 4,2 Prozent im Jahr 2025. Die Konsequenz: Viele Unternehmen geraten in Liquiditätsengpässe und sehen sich zu Restrukturierungen oder gar zur Geschäftsaufgabe gezwungen.
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Insolvenzen auf Rekordniveau – Hoffnung auf Neustart bleibt
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erreichte 2025 einen neuen Höchststand. Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen ohne Beschäftigte und große Firmen mit über 100 Mitarbeitenden. Während bei klassischen KMU mit bis zu 100 Beschäftigten 2025 eine leichte Entspannung sichtbar wurde, droht für viele ein kritischer Punkt: die wirtschaftliche Untragbarkeit der Fortführung. In den DATEV-Systemen lassen sich rund 20 Prozent der Insolvenzen frühzeitig erkennen – etwa über Abmeldungen zur Unfallversicherung. Ein Drittel der insolventen Unternehmen kann später fortgeführt werden.
DATEV-CEO Robert Mayr sieht in Insolvenzen nicht nur Rückschläge, sondern auch Chancen: „Gerade in unsicheren Zeiten führen sie zu Anpassungsprozessen, neuen Gründungen und der Neuausrichtung von Geschäftsmodellen.“ Steuerberater spielten dabei eine Schlüsselrolle – nicht nur als Zahlenexperten, sondern als Krisenbegleiter.
Regionale und branchenspezifische Verschiebungen
Die Zahl der ungeplanten Betriebsaufgaben verlagerte sich 2025 vom Osten in den Westen Deutschlands. Hotspots sind insbesondere Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Dort steigen nicht nur die Insolvenzen, sondern auch die Gewerbeanmeldungen – ein Hinweis auf wirtschaftliche Erneuerungsprozesse.
Branchenspezifisch ragen Baugewerbe, Verarbeitendes Gewerbe und Gastgewerbe heraus. Während das Baugewerbe seit vier Jahren steigende Insolvenzen verzeichnet, erreichte das Verarbeitende Gewerbe im April 2025 mit 184 Fällen seinen Höhepunkt. Im Gastgewerbe konnten auch steigende Umsätze den negativen Einfluss durch Personalmangel und Kosten nicht kompensieren.


