Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche erhöht den Restrukturierungsdruck auf Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Laut der Restrukturierungsstudie 2026 von Roland Berger beobachten 83 Prozent der befragten Experten steigende Fallzahlen. Gleichzeitig rechnen 65 Prozent für die kommenden zwölf Monate mit einer stagnierenden Wirtschaftsleistung, weitere 29 Prozent erwarten einen Rückgang. Nur sechs Prozent gehen von Wachstum aus.
Stagnation und hohe Kosten belasten Unternehmen
Als größtes Risiko nennen 65 Prozent der Befragten Bürokratie und Regulierung. Energiepreise und Versorgungssicherheit folgen mit 53 Prozent und haben gegenüber dem Vorjahr deutlich an Bedeutung gewonnen. Jeweils 51 Prozent sehen außerdem geopolitische Spannungen und den technologischen Wandel als zentrale Belastungsfaktoren.
Mehr als die Hälfte der Experten hält deutsche Unternehmen für schlecht auf einen erneuten konjunkturellen Rückschlag vorbereitet. Nur acht Prozent bewerten die Unternehmen als gut vorbereitet. Damit verschiebt sich die Aufgabe von kurzfristiger Krisenbewältigung zunehmend hin zu einer grundlegenden Anpassung von Geschäftsmodellen, Kostenstrukturen und Organisation.
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Restrukturierungen werden länger und komplexer
Die steigenden Fallzahlen gehen mit anspruchsvolleren Verfahren einher. 61 Prozent der Befragten berichten, dass Restrukturierungen länger dauern, 56 Prozent sehen komplexere Finanzierungsstrukturen und 42 Prozent schwierigere Stakeholder-Konstellationen. Konsensuale Lösungen benötigen dadurch mehr Zeit und häufig auch zusätzliche Liquidität.
Besonders groß bleibt der Handlungsbedarf in der Automobilindustrie. 87 Prozent der Experten sehen dort den stärksten Restrukturierungs- und Transformationsdruck. Es folgen Maschinen- und Anlagenbau mit 54 Prozent sowie die Chemiebranche mit 31 Prozent. Auch Pharma, Gesundheit und Krankenhauswesen gewinnen mit 26 Prozent deutlich an Bedeutung.
Verkäufe und strukturelle Lösungen gewinnen an Gewicht
Transaktionale Sanierungen dürften künftig häufiger zum Einsatz kommen. 72 Prozent der Befragten erwarten eine moderate oder starke Zunahme von Verkäufen und anderen strukturellen Lösungen. Damit rücken neben klassischen Kostensenkungen auch Veränderungen im Portfolio und in der Eigentümerstruktur stärker in den Mittelpunkt.
Als wichtigster Erfolgsfaktor gelten weiterhin belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen, die von 61 Prozent genannt werden. Gleichzeitig gewinnen konkrete Maßnahmenprogramme und eine gezielte Kommunikation mit Stakeholdern an Bedeutung. Entscheidend ist damit nicht mehr allein die Diagnose einer Krise, sondern vor allem die schnelle und konsequente Umsetzung von Gegenmaßnahmen.
KI verspricht Tempo, ist aber noch kaum etabliert
Künstliche Intelligenz gilt als wichtiger Hebel zur Beschleunigung von Restrukturierungsprozessen. 89 Prozent sehen das größte Potenzial in der Datenanalyse, 60 Prozent in der Recherche. 74 Prozent erwarten schnellere Diagnosen und Umsetzungen, 65 Prozent geringere Prozesskosten.
In der Praxis steckt der Einsatz jedoch noch am Anfang. Kein Befragter sieht KI bereits flächendeckend verankert. 45 Prozent berichten lediglich von Pilotprojekten, jeweils 26 Prozent von ersten Diskussionen beziehungsweise etablierten Anwendungen in einzelnen Bereichen. Besonders wichtig sind dabei aus Sicht der Experten hohe Qualität, Datensicherheit und Transparenz.
Der Mensch bleibt in der Führungsrolle
Trotz der technologischen Fortschritte erwarten nur vier Prozent, dass KI die Erfolgsquote von Restrukturierungen unmittelbar erhöht. Vertrauen, Verhandlung, Führung und Stakeholdermanagement bleiben Aufgaben, die menschliches Urteilsvermögen erfordern.
89 Prozent sehen deshalb auch künftig den Menschen klar in der Führungsrolle. 71 Prozent bevorzugen eine Arbeitsteilung, bei der KI Daten analysiert und Routineaufgaben übernimmt, während Menschen Entscheidungen treffen. Die Studie macht damit deutlich: KI kann Sanierungen schneller und effizienter machen, ersetzt aber weder Verantwortung noch Führung.





