Der US-Finanzdienstleister Synchrony arbeitet mit OpenAI daran, Finanzierung, Händlerkarten, Bonusprogramme und Angebote direkt in KI-gestützte Einkaufsprozesse zu integrieren. Damit rückt die Vision näher, Produkte nicht nur über ChatGPT zu entdecken, sondern den Kauf künftig auch innerhalb der KI-Umgebung abzuschließen.
Synchrony zählt zu den großen Anbietern von Händler- und Kundenkarten in den USA und arbeitet mit zahlreichen Handelsunternehmen zusammen, darunter Amazon und Walmart. Die Kooperation mit OpenAI gehört damit zu den bislang deutlichsten Vorstößen eines großen Konsumentenkredit-Anbieters in den sogenannten Agentic Commerce.
Bezahlen soll Teil des KI-Einkaufs werden
Bislang führen KI-Assistenten Verbraucher bei vielen Produktempfehlungen für den eigentlichen Kauf noch auf die Website eines Händlers. Synchrony und OpenAI wollen Finanzierung und Zahlungsoptionen stärker in diesen Prozess integrieren.
Synchrony-Strategiechef Maran Nalluswami erklärte gegenüber CNBC, dass die eigenen Karten künftig dort verfügbar sein sollen, wo Transaktionen innerhalb solcher KI-Ökosysteme stattfinden.
Bis zur breiten Umsetzung dürfte es allerdings noch dauern. Synchrony muss die Integration seiner Händlerkarten mit den jeweiligen Handelspartnern abstimmen. Nach Angaben des Managers wird dieser Prozess mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Offen sind zudem Fragen zur Verteilung von Gebühren zwischen Händlern, Synchrony und OpenAI. Auch das Vertrauen der Verbraucher ist ein Faktor: Nicht jeder Kunde dürfte bereit sein, Zahlungsdaten einer KI-Anwendung anzuvertrauen oder einen KI-Agenten selbstständig einen Einkauf abschließen zu lassen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Synchrony startet Angebot für ChatGPT
Parallel plant Synchrony eine eigene Integration für ChatGPT. Verbraucher sollen darüber Angebote aus dem Synchrony Marketplace entdecken und sich über Aktionsfinanzierungen, Rabatte und weitere Vorteile teilnehmender Partner informieren können.
Für Synchrony entsteht damit ein neuer Vertriebskanal. Händler können ihre Angebote direkt dort sichtbar machen, wo Verbraucher mit einem KI-Assistenten nach Produkten, Preisen und Einkaufsmöglichkeiten suchen.
Die Zusammenarbeit zielt deshalb über eine reine Zahlungsfunktion hinaus. Finanzierung, Rewards und Kundenbindung sollen perspektivisch Teil einer durchgängigen KI-gestützten Customer Journey werden – von der Produktsuche bis zum Checkout.
OpenAI wird auch intern eingesetzt
Synchrony baut gleichzeitig den Einsatz von OpenAI-Technologie im eigenen Unternehmen aus. Aktuelle KI-Modelle und entsprechende Werkzeuge sollen unter anderem Produktentwicklung, Technologieprozesse, Produktivität und Entscheidungsfindung unterstützen.
Nach Angaben des Unternehmens nutzt bereits nahezu die gesamte professionelle Belegschaft KI-Werkzeuge. Synchrony will die Verbreitung nun durch zusätzliche Schulungen und den breiteren Einsatz entsprechender Anwendungen weiter beschleunigen.
Die Partnerschaft verfolgt damit zwei Ziele: Synchrony will einerseits seine Finanzprodukte in neue KI-basierte Vertriebskanäle bringen und andererseits künstliche Intelligenz stärker für interne Prozesse einsetzen.
Auch Gespräche mit Claude und Gemini
Dabei setzt der Finanzkonzern nicht ausschließlich auf OpenAI. Nach Angaben von CNBC führt Synchrony ebenfalls Gespräche mit Anthropic und Google über die Integration seiner Karten in deren KI-Plattformen Claude und Gemini.
Das zeigt, wie früh der Wettbewerb um die Infrastruktur des Agentic Commerce noch ist. Banken, Zahlungsdienstleister, Händler und KI-Anbieter versuchen sich zu positionieren, bevor sich feste Standards für Produktsuche, Kaufabwicklung und Finanzierung innerhalb von KI-Assistenten etabliert haben.
Für den Handel könnte die Entwicklung weitreichende Folgen haben. Wenn Verbraucher ihre Produktsuche zunehmend in KI-Systeme verlagern und dort künftig auch bezahlen können, verschiebt sich ein wichtiger Teil der digitalen Kundenschnittstelle von Onlineshops und Suchmaschinen zu KI-Plattformen.






