Künstliche Intelligenz ist im Bankensektor längst Realität – von der Betrugserkennung bis zu Chatbots im Kundenservice. Gleichzeitig nutzen Verbraucher KI-Tools zunehmend selbst für Finanzfragen. Eine aktuelle Umfrage von Solaris zeigt nun: Beim Umgang mit KI-bezogenen Finanzdaten genießen Banken mehr Vertrauen als staatliche Institutionen.
45,4 Prozent der Befragten geben an, ihrer Bank beim Einsatz von KI am stärksten zu vertrauen. Versicherungen folgen mit 40,6 Prozent, staatliche Stellen erreichen lediglich 37,6 Prozent. Besonders ausgeprägt ist das Vertrauen unter jungen Erwachsenen: 51,5 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sehen ihre Bank als verlässlichsten Akteur im Umgang mit KI-gestützten Finanzdaten.
KI ist im Alltag angekommen
Die Nutzung von KI-Anwendungen gehört für viele bereits zur Routine. 33,4 Prozent der Befragten greifen mindestens einmal pro Woche auf allgemeine KI-Tools wie ChatGPT oder Gemini zurück. Zwischen Frauen (32,9 Prozent) und Männern (33,8 Prozent) zeigen sich dabei kaum Unterschiede.
Auch im Finanzbereich wird KI aktiv eingesetzt. 27,9 Prozent ließen sich in den vergangenen zwölf Monaten Transaktionen durch KI erklären, 27,8 Prozent nutzten KI-Chatbots für Bankanliegen. Knapp ein Fünftel (19,8 Prozent) eignete sich mithilfe von KI neues Finanzwissen an. 10,8 Prozent setzten KI-Tools zur Erstellung eines ETF-Portfolios ein.
Besonders intensiv nutzen jüngere Zielgruppen entsprechende Angebote. 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen verwenden KI zur Analyse persönlicher Transaktionen. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen greifen 15,6 Prozent bei der Portfolioerstellung auf KI zurück.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Sicherheitsbedenken bleiben hoch
Trotz wachsender Akzeptanz bestehen deutliche Vorbehalte. 45,6 Prozent der Befragten sorgen sich vor möglichen Datenlecks, 34,5 Prozent befürchten eine übermäßige Datensammlung durch KI-Anwendungen. Auffällig ist: Gerade die jungen, besonders aktiven Nutzergruppen benennen überdurchschnittlich häufig Risiken.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine ambivalente Haltung. Einerseits wird KI im Finanzalltag zunehmend selbstverständlich genutzt – selbst für sensible Anwendungen wie Transaktionsanalysen. Andererseits bleibt das Bedürfnis nach Kontrolle und Transparenz stark ausgeprägt.
Klare Erwartungen an Banken
Die Mehrheit formuliert konkrete Anforderungen an den Umgang mit KI-Daten. 84,7 Prozent möchten ihre persönlichen Daten jederzeit herunterladen oder löschen können. 82,4 Prozent fordern die Möglichkeit, KI-Funktionen aktiv ein- und auszuschalten. 81,2 Prozent sprechen sich dafür aus, dass KI-bezogene Finanzdaten ausschließlich innerhalb der Europäischen Union gespeichert werden.
Für Banken ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Vertrauen entsteht nicht allein durch technologische Innovation, sondern durch transparente Datenflüsse, europäische Datenhaltung und nachvollziehbare Steuerungsmöglichkeiten für Kunden.
KI als strategische Vertrauensfrage
Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass die Akzeptanz von KI im Banking weniger von der Technologie selbst als von ihrem regulatorischen und organisatorischen Rahmen abhängt. Institute, die Datensouveränität und Kontrollmöglichkeiten konsequent umsetzen, können sich im Wettbewerb um Vertrauen positionieren.
Gleichzeitig zeigt das vergleichsweise geringere Vertrauen in staatliche Institutionen, dass Verbraucher den Schutz sensibler Finanzdaten stärker bei ihren Banken verortet sehen. Für die Branche wird KI damit nicht nur zur Effizienzfrage, sondern zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor im Vertrauensmanagement.


