KI-Assistenten werden im Einkaufsprozess zunehmend genutzt, beim Bezahlen bleibt die Zurückhaltung jedoch groß. Laut dem neuen Visa Trust Index haben 72 Prozent der US-Verbraucher bereits einen KI-Assistenten verwendet. Nur 23 Prozent würden generativer KI allerdings zutrauen, Zahlungen selbstständig in ihrem Auftrag abzuwickeln.
Deutlich höher fällt die Zustimmung aus, wenn bekannte Zahlungsmarken eingebunden sind. 61 Prozent der Befragten würden Visa demnach die Abwicklung agentischer Transaktionen anvertrauen. Bei den 18- bis 34-Jährigen steigt der Anteil auf 68 Prozent, bei häufigen KI-Nutzern sogar auf 71 Prozent.
Verbraucher trennen zwischen KI-Tool und Zahlungsanbieter
Die Ergebnisse zeigen, dass Nutzer offenbar zwischen dem verwendeten KI-Assistenten und der Infrastruktur für die eigentliche Zahlung unterscheiden. Ein Verbraucher kann einem KI-System bei Produktsuche und Auswahl vertrauen, gleichzeitig aber bei der Transaktion auf etablierte Zahlungsanbieter setzen.
Für den Agentic Commerce ist das entscheidend. Je stärker KI-Agenten künftig eigenständig Produkte auswählen und Käufe auslösen, desto wichtiger werden Mechanismen für Identitätsprüfung, Authentifizierung und Freigaben.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Vertrauen wird zur Voraussetzung für autonome Transaktionen
Die Akzeptanz agentischer Zahlungen hängt damit nicht allein von der technischen Leistungsfähigkeit der Systeme ab. Entscheidend ist, ob Verbraucher nachvollziehen können, wer eine Transaktion ausführt, welche Regeln gelten und wie sie Kontrolle behalten.
Visa sieht darin eine Parallele zu früheren Entwicklungsschritten im digitalen Handel. Auch bei E-Commerce und Mobile Payment mussten sich zunächst Sicherheits- und Vertrauensstrukturen etablieren, bevor neue Bezahlformen breite Akzeptanz fanden.
Visa baut Infrastruktur für Agentic Commerce aus
Mit Visa Intelligent Commerce arbeitet der Zahlungsanbieter an Technologien und Standards für von KI-Agenten initiierte Transaktionen. Dazu gehören unter anderem Identitätsprüfung, Authentifizierung und Kontrollmöglichkeiten für Verbraucher.
Ziel ist es, Käufe durch autonome Systeme nicht nur technisch möglich, sondern auch nachvollziehbar und autorisiert zu gestalten. Für Zahlungsanbieter eröffnet sich damit eine neue Rolle innerhalb der Customer Journey: Sie müssen nicht nur Menschen, sondern zunehmend auch digitale Agenten sicher mit Händlern verbinden.
Agentic Commerce erweitert die digitale Customer Journey
Für Händler bedeutet diese Entwicklung, dass KI künftig nicht nur Recherche und Produktempfehlung beeinflussen könnte. Mit zunehmender Reife könnten Agenten auch Warenkörbe zusammenstellen, Kaufentscheidungen treffen und Zahlungen anstoßen.
Die zentrale Herausforderung verschiebt sich dadurch vom reinen Komfort zur Vertrauensarchitektur. Unternehmen müssen sicherstellen, dass Kunden Regeln, Limits und Berechtigungen für ihre Agenten festlegen und Transaktionen kontrollieren können.
Studie zeigt frühes Stadium des Markts
Trotz des starken Interesses befindet sich Agentic Commerce noch in einer frühen Phase. Die geringe Bereitschaft, KI eigenständig bezahlen zu lassen, zeigt, dass zwischen Nutzung von Assistenten und vollständig autonomen Käufen noch eine deutliche Akzeptanzlücke besteht.
Für die Untersuchung befragte Harris Poll im Auftrag von Visa Ende Mai 2026 insgesamt 2.065 US-Verbraucher. Die Ergebnisse beziehen sich damit auf den amerikanischen Markt und zeigen vor allem, welche Bedingungen Verbraucher für die nächste Entwicklungsstufe des KI-gestützten Handels erwarten.


