Satte 25 Prozent auf (fast) alles gewährt Galeria bundesweit in allen 83 Filialen. Zunächst auf einzelne Städte wie Berlin, Potsdam und Hamburg begrenzt, wird die Aktion nun unter dem Claim „nur in deiner Filiale“ flächendeckend ausgespielt. Was wie eine klassische Marketingaktion zur Black Week wirkt, ist außerhalb normaler Sale-Phasen ein ungewöhnlich drastischer Schritt. Normalerweise werden unterjährig saisonale Sortimente oder einzelne Warengruppen rabattiert, nicht jedoch das gesamte Angebot.
Galeria fehlt es an Umsatz
Der Hintergrund ist angespannt: Im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 soll Galeria laut einem Bericht der Lebensmitteilung bis Anfang Mai rund 130 Millionen Euro Umsatz hinter dem Vorjahr liegen – ein Minus von etwa zehn Prozent. Für ein Unternehmen mit ohnehin schwacher Eigenkapitalbasis ist das erheblich.
Zusätzlich wurden Bestellmengen reduziert, intern steigt der Druck auf die Belegschaft, Umsätze aktiv zu steigern. Parallel erhalten Mitarbeitende bis Anfang Juni offenbar zusätzliche Einkaufsrabatte – ein weiterer Hinweis auf hohe Lagerbestände und kurzfristigen Liquiditätsbedarf.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Frisches Geld – aber nur auf Zeit
Bereits im April erhielt Galeria eine weitere Finanzspritze: Minderheitsgesellschafter Bain Capital stellte rund zehn Millionen Euro als Kredit bereit, um kurzfristige Liquidität zu sichern.
Es ist nicht die erste Unterstützung dieser Art. Die wiederholten Zwischenfinanzierungen zeigen, dass sich das Unternehmen auch nach der Insolvenz Anfang 2024 noch nicht stabilisiert hat. Insgesamt hat Galeria in den vergangenen Jahren bereits drei Insolvenzverfahren durchlaufen – eine weitere wird unter Indern mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen.
Mietstundungen und Standortdebatten
Ein zentrales Problem bleibt die Immobilienstruktur. Galeria hat im Frühjahr Vermieter um Stundung von Mietzahlungen gebeten, um Beträge aus März und April in den Herbst zu verschieben – teils verzinst.
Mehrere prominente Häuser stehen zur Disposition, darunter Standorte in Berlin, Köln, München, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Sollten Verhandlungen scheitern, sind weitere Schließungen möglich. Sozialplan-Gespräche werden offenbar vorbereitet.
Die hohen Fixkosten in Innenstadtlagen bleiben damit das strukturelle Kernproblem eines Geschäftsmodells, das seit Jahren unter Frequenzrückgang, wachsender Online-Konkurrenz und veränderten Konsumgewohnheiten leidet.
Rabatt statt Strategie?
Die Preisoffensive wirft eine grundlegende Frage auf: gezielte Frequenzmaßnahme oder kurzfristiger Versuch, Cashflow zu generieren?
Ein pauschaler Abschlag von 25 Prozent belastet zwangsläufig die Marge. Selbst bei steigenden Umsätzen wächst der Druck auf die Profitabilität. Branchenexperten sehen darin ein riskantes Vorgehen: Sinkende Durchschnittspreise könnten Kunden dauerhaft an Rabatte gewöhnen und die Preissetzungsmacht schwächen.
Nach der Insolvenz 2024 wurden bereits neun Filialen geschlossen, Reisebüros an den ADAC verkauft und die Eigentümerstruktur neu geordnet. Eine klar erkennbare Digitalstrategie oder ein scharfes Warenhausprofil bleibt bislang jedoch aus.
Die Rabattaktion könnte kurzfristig für höhere Umsätze sorgen. Ob sie mehr ist als ein Strohfeuer, dürfte sich im Herbst zeigen – wenn gestundete Mieten fällig werden und die Liquidität erneut unter Druck gerät.




