Galeria steht nach einem schwierigen Weihnachtsgeschäft und dem CFO-Exit im Januar offenbar erneut vor einer kritischen Phase. Der Warenhausriese verhandelt nun Berichten nach an acht Standorten mit Vermietern über deutliche Mietsenkungen – ein Schritt, der über den Fortbestand der betroffenen Filialen entscheiden dürfte. Ohne Einigung könnten weitere Schließungen folgen, was die ohnehin fragile Lage vieler Innenstädte weiter zuspitzen würde.
Acht Filialen mit auslaufenden Verträgen
Im Fokus stehen Häuser in München (Rotkreuzplatz), Berlin (Kurfürstendamm, Hermannplatz), Köln (Hohe Straße, Breite Straße), Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Die Mietverträge laufen mittelfristig aus, die Gespräche mit Eigentümern haben begonnen. Galeria betont, man wolle jeden Standort halten – allerdings nur auf Basis eines tragfähigen Kostenmodells. Kommt es nicht dazu, sind Schließungen keine Option, sondern ein realistisches Szenario.
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Wirtschaftliche Belastungen verschärfen die Lage
Der stationäre Handel kämpft weiterhin mit hohen Energiekosten, rückläufigen Besucherzahlen und verhaltenem Konsum. Besonders großflächige Warenhäuser leiden unter Fixkosten, die sich bei sinkenden Umsätzen kaum auffangen lassen. Vertriebschef Philipp Kretzer spricht offen davon, dass flexible Mietmodelle oder dauerhaft niedrigere Konditionen essenziell seien, um die Standorte profitabel zu führen.
Bedeutung für Innenstädte und Immobilienmärkte
Viele Kommunen und Vermieter beobachten die Verhandlungen mit Sorge. Galeria-Filialen gelten oft als zentrale Frequenzanker. Gleichzeitig stehen Immobilienbesitzer unter Druck: sinkende Marktwerte und wachsende Leerstandsrisiken erschweren ihre Position, was die Bereitschaft zu Zugeständnissen erhöhen könnte.
Folgen der jüngsten Restrukturierung
Erst Anfang 2024 hatte Galeria zum dritten Mal Insolvenz angemeldet. Neun Häuser wurden geschlossen, das Netz deutlich verkleinert. Mit den neuen Eigentümern NRDC und einer Beteiligungsgesellschaft von Unternehmer Bernd Beetz verfolgt das Unternehmen nun eine stärker fokussierte Strategie: straffere Sortimente, Priorität für rentable Standorte und eine engere Verzahnung von Online- und Filialgeschäft. Auch neue Partnerschaften mit LIDL oder dem Sportartikell-Händler Decathlon sollen Standorte attraktiver machen.
Wirkung weit über Galeria hinaus
Die aktuellen Verhandlungen haben Signalwirkung für die gesamte Branche. Die Marktmieten vieler Handelslagen sinken, gleichzeitig sind große Flächen schwer nachzuvermieten. Kompromisse könnten ein Modell für andere Einzelhändler werden, während weitere Schließungen neue Leerstände und zusätzliche Belastungen für Stadtzentren bedeuten würden.


