Supermarkt-Apps wie Lidl Plus, REWE oder Kaufland setzen verstärkt auf digitale Kundenbindung durch personalisierte Angebote, Rabatte und Gamification-Elemente. Und die Apps boomen – laut einer Umfrage von letzter Woche nutzen bereits zwei Drittel Internetznutzer bereits mobile Apps beim Lebensmitteleinkauf. Doch die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) warnt vor den Schattenseiten der App-Nutzung: Wer sparen will, gibt oft persönliche Daten preis – und wird gezielt zu höheren Ausgaben verleitet.
Daten gegen Vergünstigungen
Laut einer repräsentativen Online-Umfrage im Auftrag des vzbv nutzen 78 Prozent der Befragten Supermarkt-Apps. Zwei Drittel dieser Nutzer haben innerhalb der letzten zwei Jahre zusätzliche Produkte gekauft, um App-Vorteile zu erhalten. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass Verbraucher so unbewusst in ein manipulierendes System aus Rabatten, Punkten und digitalen Belohnungen geraten. Ziel sei es, das Einkaufsverhalten gezielt zu beeinflussen und die Verweildauer in der App zu erhöhen.
Der vzbv fordert daher strengere Regeln: Der Aufbau von Werbeprofilen aus Nutzerdaten soll verboten werden. Auch sogenannte „Dark Patterns“ – also manipulative Designs, die zum Beispiel durch Zeitdruck oder Belohnungssysteme zu Entscheidungen drängen – sollten untersagt werden. Besonders kritisch sieht der Verband, dass viele Supermarkt-Apps ohne Registrierung nicht nutzbar sind und zum Teil umfangreiche Daten wie Name, Geburtsdatum oder Telefonnummer abfragen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Fragwürdige Ersparnisse
Obwohl die Mehrheit der App-Nutzer angibt, durch digitale Coupons regelmäßig Geld zu sparen, ist der tatsächliche finanzielle Vorteil gering. Laut einer Analyse des Preisvergleichsportals Smhaggle liegt die durchschnittliche Ersparnis bei maximal 2 Prozent. Dennoch geben 61 Prozent der Nutzer an, dass sich ihr Einkaufsverhalten durch die Nutzung verändert habe – ein deutliches Indiz für die Wirkung der Apps auf Konsumentscheidungen.
Für Menschen, die keine App nutzen möchten oder können, bedeutet das oft einen Ausschluss von Rabatten. Fast 30 Prozent der Befragten ohne App geben Datenschutzbedenken als Grund an. Die Verbraucherzentrale fordert daher einen fairen Zugang zu Angeboten – unabhängig von der Bereitschaft, persönliche Daten preiszugeben.
Rechtliche Schritte gegen irreführende Werbung
Der vzbv geht aktuell auch rechtlich gegen Lidl vor. Der Vorwurf: Die Supermarkt-Kette bewerbe ihre Lidl Plus-App als „kostenlos“, obwohl Nutzer:innen die Rabatte faktisch mit ihren Daten bezahlen. Aus Sicht des vzbv ist diese Form der Werbung irreführend.
Die Diskussion zeigt: Während Supermarkt-Apps auf den ersten Blick Sparpotenzial bieten, zahlen Verbraucher häufig mit etwas anderem – ihrer Aufmerksamkeit und ihren Daten.


