Die zur Otto Group zugehörige Witt-Gruppe steht vor einem harten Einschnitt beim Personal. Am Stammsitz im oberpfälzischen Weiden sollen insgesamt 229 Stellen wegfallen. Das bestätigte Unternehmenssprecherin Judith Weigl gestern gegenüber dem regionalen Sender OTV. Bereits 2023 hatte das traditionsreiche Versandhandelsunternehmen angekündigt, seine Kostenstrukturen zu prüfen und personelle Anpassungen vorzunehmen. Trotz noch guter Zahlen in 2025 scheint sich nun dieser Einschnitt abzuzeichnen.
Nach Unternehmensangaben erhalten 101 Mitarbeitende Angebote für Altersteilzeit oder Frühverrentung, weitere 128 sollen ein Aufhebungsangebot bekommen. Zusammen mit einem bereits verhängten Einstellungsstopp will das Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Der Personalabbau wurde mit dem Betriebsrat abgestimmt; die Details sind in einem Interessenausgleich und Sozialplan geregelt.
Sozialverträgliche Lösung im Fokus
Die Geschäftsführung betont, dass der Stellenabbau möglichst sozialverträglich erfolgen soll. Die nun vereinbarten Maßnahmen seien gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung entwickelt worden. Ziel sei es, die wirtschaftliche Stabilität der Witt-Gruppe zu sichern, ohne auf Kündigungen zurückzugreifen.
Hintergrund der Entscheidung ist der strukturelle Wandel im Versand- und Modehandel. Steigende Kosten, eine verhaltene Konsumstimmung und starker Wettbewerb im Onlinehandel setzen auch etablierte Unternehmen wie die Witt-Gruppe zunehmend unter Druck.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Traditionsunternehmen mit Fokus auf Best Ager
Die Witt-Gruppe gehört zu den bekanntesten Versandhändlern Deutschlands und richtet sich vor allem an die Zielgruppe Best Ager. Das 1907 gegründete Unternehmen ist Teil der Otto Group und agiert innerhalb des Konzerns als eigenständige Gesellschaft mit klarem Markenfokus.
Zum Markenportfolio zählen unter anderem WITT WEIDEN, heine, Sieh an!, creation L, sheego und Joe Browns Deutschland.. Im Zuge der Klingel-Insolvenz hatte die Gruppe auch Impressionen und die ebenfalls auf 50+ spezialisierte Marke Wenz übernommen. Vertrieben wird über Kataloge, Online-Shops und zunehmend digitale Kanäle. Die Kernzielgruppe sind modeaffine Frauen und Männer ab 50 – eine kaufkräftige, aber krisenanfällige Kundengruppe.
Standort Weiden bleibt erhalten
Trotz des Stellenabbaus bekennt sich die Witt-Gruppe zum Standort Weiden. Dort befinden sich neben der Zentrale auch zentrale Bereiche wie IT, Einkauf, Marketing und Kundenservice. Der Stellenabbau sei Teil einer strategischen Neuausrichtung zur Steigerung der Effizienz – kein Rückzug aus der Region.
Wie stark sich die Maßnahmen auf das operative Geschäft und die Entwicklung des Unternehmens auswirken, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Auch traditionsreiche Anbieter müssen sich an veränderte Marktbedingungen anpassen.


