DHL Group und Alibaba.com wollen künstliche Intelligenz stärker in internationale Logistikprozesse für kleine und mittlere Unternehmen integrieren. Beide Unternehmen haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet, die auf eine engere Verbindung von digitalem Handel und globaler Frachtlogistik abzielt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie KI Unternehmen entlang der gesamten internationalen Handelsreise unterstützen kann – von Lieferantensuche und Beschaffung bis hin zu Frachtangebot, Buchung und Versandabwicklung.
Accio soll DHL-Logistikfunktionen integrieren
Ein zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit ist Alibabas KI-Plattform Accio. Das System ist als Unternehmensagent beziehungsweise agentisches Arbeitsteam konzipiert, das insbesondere KMU bei operativen Aufgaben unterstützen soll.
Geplant ist, Funktionen von DHL Global Forwarding direkt mit Accio zu verbinden. Dadurch sollen Unternehmen in Zukunft Frachtangebote in Echtzeit abrufen, Versandoptionen vergleichen und Buchungen direkt aus der KI-gestützten Umgebung heraus anstoßen können.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Ziel sind einfachere grenzüberschreitende Prozesse
Für viele kleinere Unternehmen bleibt internationaler Handel komplex. Unterschiedliche Vorschriften, Zollanforderungen, Transportoptionen und Kostenstrukturen erschweren eine schnelle Expansion in neue Märkte.
DHL und Alibaba.com wollen genau hier ansetzen. KI soll Informationen bündeln, Entscheidungswege verkürzen und mehr Transparenz in den Logistikprozess bringen.
Damit könnte ein Teil der Aufgaben, die heute noch manuell über mehrere Systeme und Dienstleister hinweg erledigt werden, künftig innerhalb einer einheitlichen digitalen Oberfläche zusammengeführt werden.
Echtzeitangebote sollen direkt in den Handelsprozess wandern
Besonders relevant ist die geplante Anbindung an die Quotation-&-Booking-Funktionen von DHL Global Forwarding. Unternehmen könnten dadurch Transportkosten und verfügbare Optionen direkt innerhalb der Alibaba-Umgebung prüfen.
Die geplante Funktion ist laut den Unternehmen nur der erste Schritt. Weitere Logistikfunktionen sollen folgen, um wiederkehrende Geschäftsprozesse stärker zu automatisieren und die operative Effizienz zu erhöhen.
Für KMU könnte das die Eintrittsbarriere in den grenzüberschreitenden Handel senken, da weniger eigenes Spezialwissen für einzelne Prozessschritte erforderlich wäre.
Agentic Commerce erreicht die B2B-Logistik
Die Kooperation zeigt, dass Agentic Commerce nicht nur für Konsumenteneinkäufe relevant wird. Auch im B2B-Handel sollen KI-Agenten zunehmend konkrete Aufgaben übernehmen und mehrere Prozessschritte miteinander verknüpfen.
Im Unterschied zu klassischen Chatbots geht es dabei nicht nur um Informationen oder Empfehlungen. Systeme wie Accio sollen operative Aktionen vorbereiten oder ausführen und damit stärker in reale Geschäftsprozesse eingreifen.
Für Logistikanbieter entsteht dadurch eine neue Schnittstelle zum Kunden: Leistungen müssen nicht mehr ausschließlich über eigene Portale gebucht werden, sondern können direkt innerhalb externer KI-Plattformen verfügbar werden.
DHL und Alibaba.com verbinden Plattform und Logistiknetzwerk
Alibaba.com bringt in die Zusammenarbeit seine digitale Handelsplattform und KI-Funktionen ein, DHL Global Forwarding sein internationales Logistiknetzwerk und seine Frachtkompetenz.
Strategisch könnte daraus ein stärker integrierter B2B-Handelsprozess entstehen, bei dem Beschaffung und Logistik enger miteinander verzahnt werden. Gerade für kleinere Unternehmen verspricht das schnellere Abläufe und einen einfacheren Zugang zu internationalen Märkten.
Wie weit die Integration technisch und kommerziell gehen wird, ist bislang offen. Die Absichtserklärung markiert zunächst den Rahmen für die gemeinsame Entwicklung und Erprobung entsprechender Funktionen.





