Das Berliner Landgericht hat im Rechtsstreit zwischen dem Preisvergleichsportal Idealo und Google ein wegweisendes Urteil gefällt. Demnach muss Google 465 Millionen Euro Schadensersatz zahlen, weil das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und seinen eigenen Preisvergleichsdienst Google Shopping systematisch bevorzugt habe. Idealo hatte ursprünglich eine Entschädigung in Höhe von 3,3 Milliarden Euro gefordert.
Langjähriger Konflikt mit kartellrechtlichem Hintergrund
Die Auseinandersetzung geht auf den Zeitraum von 2008 bis 2023 zurück und steht im Zusammenhang mit früheren Ermittlungen der EU-Kommission. Diese hatte Google bereits 2017 zu einer Kartellstrafe in Höhe von 2,4 Milliarden Euro verurteilt – ein Urteil, das 2024 vom Europäischen Gerichtshof bestätigt wurde. Die Begründung: Google habe Suchergebnisse manipuliert, um eigene Dienste besser sichtbar zu machen – zulasten von Wettbewerbern wie Idealo.
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Sichtbarkeitsverlust mit wirtschaftlichen Folgen
Als Tochter des Axel-Springer-Konzerns sieht sich Idealo durch die systematische Benachteiligung massiv geschädigt. Laut Unternehmensangaben führte Googles Vorgehen zu einem drastischen Rückgang der Sichtbarkeit in den Suchergebnissen, wodurch nicht nur Idealo, sondern auch andere Anbieter und letztlich Verbraucher benachteiligt worden seien. Faire Wettbewerbsbedingungen seien damit über Jahre untergraben worden.
Gericht erkennt Schaden an – Idealo kämpft weiter
Zwar liegt die nun zugesprochene Entschädigung deutlich unter den geforderten 3,3 Milliarden Euro, Idealo sieht das Urteil jedoch als Teilerfolg. Albrecht von Sonntag, Co-Gründer und Beirat von Idealo, erklärte in einer heutigen Pressemitteilung: „Wir begrüßen, dass das Gericht Google zur Verantwortung zieht. Aber die Folgen der Selbstbevorzugung gehen weit über den zugesprochenen Betrag hinaus.“
Idealo kündigte an, den Rechtsweg weiter zu verfolgen, um eine vollständige Entschädigung durchzusetzen. Ziel sei es, ein deutliches Zeichen gegen Marktmissbrauch zu setzen und langfristig faire Wettbewerbsbedingungen im digitalen Raum zu etablieren.
Bedeutung für das Wettbewerbsrecht
Das Urteil unterstreicht die wachsende Rolle privater Schadensersatzklagen im europäischen Wettbewerbsrecht. Es zeigt, dass Unternehmen, die sich durch digitale Monopole benachteiligt fühlen, juristisch gegen Marktmissbrauch vorgehen können – und damit nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern auch die des Wettbewerbs und der Verbraucher schützen.


