Das Konsumverhalten tritt 2027 nach Einschätzung von NielsenIQ in eine neue Phase ein. Der aktuelle „Consumer Outlook: Guide to 2027“ beschreibt fünf zentrale Kräfte: anhaltenden Kostendruck, eine stärkere Polarisierung der Ausgaben, ein verändertes Wertverständnis, den wachsenden Einfluss von Gesundheit und eine zunehmend KI-gesteuerte Produktsuche.
Kaufkraft bleibt trotz sinkender Inflation unter Druck
Auch wenn sich die Inflation abschwächt, bleibt Bezahlbarkeit für viele Haushalte ein zentrales Thema. 34 Prozent der weltweit Befragten geben an, finanziell schlechter dazustehen als vor einem Jahr.
Unter finanziell belasteten Konsumenten nennen 77 Prozent steigende Lebenshaltungskosten als wichtigen Grund für ihre Lage. Besonders hohe Lebensmittelpreise bleiben dabei eines der größten Sorgenfelder und verschieben die Aufmerksamkeit zunehmend von Inflation als abstraktem Thema hin zur konkreten Frage, was sich Haushalte tatsächlich leisten können.
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Die Mitte verliert an Bedeutung
NIQ beobachtet eine zunehmende Polarisierung des Konsums zwischen günstigen und hochwertigen Angeboten. Mehr als 23 Milliarden US-Dollar Marktanteil seien bereits von Produkten im mittleren Preissegment zu Value- und Premiumalternativen gewandert.
Damit geraten klassische Mainstream-Angebote stärker unter Druck. Konsumenten entscheiden sich zunehmend entweder für spürbare Einsparungen oder für Produkte, bei denen sie einen klaren Mehrwert und ein qualitatives Upgrade erkennen.
Wert wird nicht mehr nur über den Preis definiert
Der Begriff „Value“ verändert sich laut Studie deutlich. Qualität und Leistung sind für 34 Prozent der Befragten inzwischen wichtiger dafür, ob ein Kauf als lohnenswert empfunden wird, als ein günstiger Preis, den 31 Prozent nennen.
Käufe werden damit bewusster und selektiver. Produkte konkurrieren nicht nur mit direkten Alternativen, sondern auch mit anderen Möglichkeiten, Zeit und Geld einzusetzen. Für Marken steigt dadurch der Druck, einen klar erkennbaren Nutzen zu vermitteln.
Gesundheit beeinflusst immer mehr Kategorien
Gesundheit und Wohlbefinden werden zunehmend Teil alltäglicher Kaufentscheidungen. Selbstgesteuertes Gesundheitsmanagement, neue Technologien und die wachsende Nutzung von GLP-1-Medikamenten beeinflussen nach Einschätzung von NIQ nicht nur klassische Wellnessprodukte.
Die Auswirkungen reichen in Lebensmittel, Getränke, Beauty, Healthcare und Handel hinein. Konsumenten bewerten Angebote stärker danach, ob sie neben Preis und Qualität auch einen wahrnehmbaren Beitrag zu Wohlbefinden, Gesundheit oder Lebensqualität leisten.
KI verändert Produktsuche und Markenwahrnehmung
Besonders weitreichend könnte sich der Einsatz künstlicher Intelligenz auf die Produktauswahl auswirken. 55 Prozent der Befragten geben an, bei Käufen von Konsumgütern bereits durch KI-Empfehlungen beeinflusst worden zu sein. 27 Prozent nutzen KI-Shopping-Assistenten oder andere KI-Werkzeuge bei Kaufentscheidungen.
Damit gewinnt neben physischer und digitaler Verfügbarkeit auch algorithmische Sichtbarkeit an Bedeutung. Für Hersteller und Händler könnte künftig entscheidend sein, ob Produkte in KI-gestützten Empfehlungssystemen überhaupt auftauchen und innerhalb kleiner werdender Auswahlsets berücksichtigt werden.





