Der KI-Anbieter Anthropic verschiebt seinen geplanten Börsengang offenbar auf Mitte Oktober 2026 oder später. Das berichtet Reuters unter Berufung auf mit den Planungen vertraute Personen. Ursprünglich sollte der IPO-Prozess bereits vor Ende August beginnen, der Börsenprospekt war zeitweise für Anfang September erwartet worden.
Mit dem neuen Zeitplan könnte die Notierung nur wenige Wochen vor den US-Zwischenwahlen im November abgeschlossen werden. Die Vorbereitungen laufen laut dem Bericht weiter, wobei Anthropic parallel eine revolvierende Kreditlinie über 15 Milliarden Dollar abschließen will.
Erwartungen an Bewertung steigen deutlich
Der mögliche Börsengang wird von außergewöhnlich hohen Bewertungserwartungen begleitet. Investoren hoffen laut dem Ausgangsbericht auf ein Emissionsvolumen von mindestens 75 Milliarden Dollar. Damit könnte Anthropic einen der größten Börsengänge überhaupt absolvieren.
Im August hatte die Financial Times demnach über Erwartungen von Investoren berichtet, die Anthropic mit zwei Billionen Dollar oder mehr bewerten. Zuvor war von einem Zielwert von rund einer Billion Dollar die Rede gewesen.
Die zuletzt genannte Unternehmensbewertung lag bei 965 Milliarden Dollar. Grundlage war laut Ausgangsbericht eine Series-H-Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar im Mai.
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Umsatz soll sich im zweiten Quartal mehr als verdoppelt haben
Die hohen Erwartungen werden mit einem starken Umsatzwachstum begründet. Anthropic soll im zweiten Quartal 2026 Erlöse von rund elf Milliarden Dollar erzielt haben. Im ersten Quartal waren es dem Bericht zufolge 4,8 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig weist das Unternehmen weiterhin hohe Verluste auf. Für das Gesamtjahr 2025 wird ein Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar genannt. Investoren rechnen dem Bericht zufolge dennoch damit, dass Anthropic 2026 eine annualisierte Umsatzrate zwischen 100 und 120 Milliarden Dollar erreichen könnte.
Großbanken arbeiten am Anthropic-IPO
An den Vorbereitungen für den Börsengang sollen mehrere führende Investmentbanken beteiligt sein. Reuters nennt Morgan Stanley, Goldman Sachs, JPMorgan und Citi als Institute, die mit Anthropic am IPO arbeiten.
Parallel versucht das Unternehmen laut Reuters, eine revolvierende Kreditfazilität über 15 Milliarden Dollar abzuschließen. Der genaue Zeitpunkt des Börsengangs bleibt jedoch abhängig vom weiteren Verlauf der Vorbereitungen.
Gerichtserfolg stärkt Anthropic vor geplantem Börsengang
Ende August erzielte Anthropic zudem einen juristischen Erfolg im Streit mit dem US-Verteidigungsministerium. Ein US-Gericht stoppte die Aufnahme der Anthropic-Produkte auf eine schwarze Liste für die Nutzung durch Regierungsstellen.
Der Konflikt war entstanden, nachdem Anthropic sich geweigert hatte, Schutzmechanismen seiner KI-Modelle abzusenken und anschließend als Risiko für die Lieferkette eingestuft worden war. Das Unternehmen ging dagegen gerichtlich vor. Die Entscheidung vom 27. August könnte einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor im Vorfeld des geplanten Börsengangs reduzieren.





