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Anthropic könnte beim Börsengang auf Zwei-Billionen-Bewertung zielen

Anthropic Logo auf einem Smartphone vor einem Laptop
Foto: sidboo92 / depositphotos.com

Key takeaways

Die Wall Street blickt bei einem der potenziell größten Börsengänge weit in die Zukunft. Insidern zufolge kalkuliert Anthropic für 2028 mit bis zu 200 Milliarden Dollar Umsatz, während Investoren nach geeigneten Maßstäben für die Bewertung suchen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der KI-Anbieter Anthropic könnte bei seinem geplanten Börsengang mit außergewöhnlich hohen Wachstumserwartungen bewertet werden. Nach Informationen von Reuters prognostiziert das Unternehmen für 2028 einen Umsatz von rund 190 bis 200 Milliarden US-Dollar. Investmentbanken und Investoren sollen diese Schätzungen bereits als Grundlage für mögliche Bewertungsmodelle heranziehen, so die Insider gegenüber der Nachrichtenagentur.

Die Prognose liegt weit über dem zuletzt veröffentlichten Umsatz-Run-Rate von 47 Milliarden Dollar. Für Investoren bedeutet dies, dass sie beim IPO nicht nur die aktuelle Geschäftsentwicklung bewerten, sondern einen erheblichen Teil des erwarteten Wachstums der kommenden zwei Jahre vorwegnehmen müssten.

Bewertung orientiert sich bereits an 2028

Bei schnell wachsenden Softwareunternehmen ohne etabliertes Gewinnprofil sind Umsatzmultiplikatoren üblich. Ungewöhnlich ist laut Reuters jedoch, dass bei Anthropic bereits zwei Jahre vorausgeblickt wird. Grund dafür sind das enorme Wachstum und gleichzeitig hohe Ausgaben für Rechenleistung, Modelltraining und Personal.

Vergleichbare Ansätze gab es zuletzt bei schnell wachsenden Technologieunternehmen. Auch vor dem Rekord-Börsengängen von SpaceX spielten längerfristige Umsatzprognosen eine Rolle. Entscheidend für Anthropic ist die Erwartung, dass die Erlöse künftig schneller steigen als die für den Ausbau der KI-Infrastruktur notwendigen Kosten.

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Palantir, Cloudflare und SpaceX dienen als Maßstab

Für die Bewertung suchen Banken und Investoren nach geeigneten Vergleichsunternehmen. Reuters zufolge zählen Palantir, Cloudflare und SpaceX zu den Referenzwerten, die im Vorfeld eines Analystentages von Anthropic betrachtet werden.

Die Bewertungen dieser Unternehmen zeigen, welche Multiplikatoren der Markt derzeit für besonders wachstumsstarke Technologieunternehmen akzeptiert. Palantir wird demnach mit dem 53-Fachen des erwarteten Jahresumsatzes bewertet. Bei SpaceX und Cloudflare liegt der entsprechende Faktor bei jeweils 41,6.

Die Unternehmen bilden unterschiedliche Aspekte des Anthropic-Geschäfts ab: Palantir steht für starkes Wachstum und KI-Exposition, Cloudflare für Software- und Infrastrukturgeschäft und SpaceX für eine Bewertung, die wesentlich auf erwarteter künftiger Größe basiert.

Umsatzwachstum verändert die Bewertungsgrundlage

Anthropics Geschäft ist zuletzt außergewöhnlich schnell gewachsen. Ende 2025 lag der Umsatz-Run-Rate nach Unternehmensangaben noch bei rund neun Milliarden Dollar. Bis Mai 2026 erhöhte er sich auf mehr als 47 Milliarden Dollar.

Für das zweite Quartal 2026 prognostizierte Anthropic mindestens 10,9 Milliarden Dollar Umsatz und einen operativen Gewinn von 559 Millionen Dollar. Das Unternehmen könnte damit erstmals auf Quartalsbasis operativ profitabel werden. Nach eigenen Angaben hat sich der Umsatz-Run-Rate in jedem der drei Jahre bis Anfang 2026 gegenüber dem jeweiligen Vorjahr mehr als verzehnfacht.

Diese Entwicklung erklärt, weshalb Investoren klassische Bewertungsgrößen wie den aktuellen Gewinn nur eingeschränkt heranziehen. Derzeit drücken hohe Aufwendungen für GPUs, Rechenzentren, Training, Inferenz und Personal auf die Profitabilität. Mit zunehmender Größe könnten diese Kosten jedoch einen geringeren Anteil am Umsatz ausmachen.

Zwei Billionen Dollar als mögliche Größenordnung

Die zentrale Frage ist, welchen Multiplikator Investoren auf die für 2028 erwarteten Erlöse anwenden. Eine hohe Bewertung setzt voraus, dass Anthropic sein Wachstum fortsetzt und gleichzeitig die Margen deutlich verbessert.

Analysten halten laut Reuters sogar eine Bewertung von zwei Billionen Dollar grundsätzlich für möglich. Entscheidend sei allerdings, ob eine solche Bewertung dauerhaft Bestand haben könne und künstliche Intelligenz tatsächlich die dafür erforderlichen Produktivitätssteigerungen erzeugt.

Der geplante Börsengang wird damit zu einem Test für die Bewertungsmaßstäbe der gesamten KI-Branche. Investoren müssen nicht nur einschätzen, wie schnell Anthropic wachsen kann, sondern auch, ob der massive Kapitalbedarf für Rechenleistung langfristig in entsprechend hohe Gewinne mündet.

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