Die niederländische Versandapotheke Disapo ist insolvent. Für die auf den deutschen Markt ausgerichtete disapo.de Apotheke B.V. wurde Mitte September 2026 das Insolvenzverfahren eröffnet. Kurz darauf folgte auch die Disapo BA B.V., in der Teile des China-Geschäfts gebündelt waren. Der operative Betrieb ist weitgehend zum Erliegen gekommen – auch Kunden aus Deutschland können nicht mehr bestellen und finden trotz offenem Online-Shop nur nicht verfügbare Artikel.
Geschäftsbetrieb in Heerlen weitgehend eingestellt
Die disapo.de Apotheke B.V. mit Sitz in Heerlen wurde vom zuständigen Gericht in Limburg für zahlungsunfähig erklärt. Zuletzt waren im Kerngeschäft noch rund 35 Beschäftigte tätig. Die Website ist weiterhin erreichbar, Bestellungen können jedoch nicht mehr aufgegeben werden.
Nur wenige Tage später wurde auch für die Disapo BA B.V. ein Insolvenzverfahren eröffnet. In dieser Gesellschaft waren Aktivitäten rund um das China-Geschäft gebündelt, darunter der Handel mit europäischem beziehungsweise deutschem Milchpulver. Dort arbeiteten zuletzt noch vier Beschäftigte.
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Vom Wachstumsprojekt zum Sanierungsfall
Disapo war lange als Wachstumsplattform im europäischen Online-Apothekenmarkt positioniert. Das 2004 gegründete Unternehmen wurde 2022 von Douglas übernommen. Der Beauty-Konzern wollte damit den Einstieg in den Online-Apothekenmarkt beschleunigen und Beauty- sowie Gesundheitsangebote stärker miteinander verbinden.
Zum Zeitpunkt der Übernahme beschäftigte Disapo rund 200 Mitarbeiter und erzielte für das Geschäftsjahr 2021 nach damaligen Angaben einen Umsatz von etwa 80 Millionen Euro. Deutschland und China galten als wichtigste Absatzmärkte. Nach einem Strategiewechsel bei Douglas rückte das Apothekengeschäft jedoch wieder aus dem Fokus.
Verkauf an MYA Health brachte keine Wende
Im Sommer 2024 verkaufte Douglas Disapo an die Amsterdamer MYA Health B.V. Der Abschluss erfolgte zum 1. August 2024. Für Douglas war die Transaktion mit erheblichen Belastungen verbunden: Im Zusammenhang mit der Veräußerung wurde ein Verlust von insgesamt 5,9 Millionen Euro verbucht, während der für Bilanzierungszwecke angesetzte beizulegende Zeitwert der Gesellschaft vor Veräußerungskosten bei null Euro lag.
Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Beschäftigten bereits auf rund 90 gesunken. MYA Health wollte Disapo mit einem eigenen digitalen Gesundheitsangebot verknüpfen und eine stärker integrierte Lösung von der Rezeptbeschaffung bis zur Arzneimittellieferung aufbauen. Diese Pläne konnten das Unternehmen jedoch nicht dauerhaft stabilisieren.
Erneuter Verkauf scheiterte vor der Insolvenz
Vor dem Insolvenzantrag soll MYA Health versucht haben, Disapo erneut zu veräußern. Nach vorliegenden Medienberichten liefen über mehrere Monate Gespräche mit Interessenten aus Deutschland und China, die kurz vor einem möglichen Abschluss gescheitert sein sollen. Als ein Grund wird fehlendes Kapital für die weitere Entwicklung genannt.
Gleichzeitig sollen Verbindlichkeiten von rund 2,2 Millionen Euro aufgelaufen sein, insbesondere gegenüber Lieferanten von Medikamenten und Milchpulver. Eine vollständige Vermögens- und Schuldenübersicht aus einem veröffentlichten Insolvenzbericht liegt bislang nicht vor. Die disapo.de Apotheke B.V. stellte schließlich selbst den Insolvenzantrag.
Logistikzentrum könnte für Investoren interessant sein
Im Mittelpunkt einer möglichen Fortführung steht der Standort in Heerlen. Dort betreibt Disapo im Gewerbegebiet De Beitel ein Logistikzentrum mit rund 7.500 Quadratmetern Fläche, von dem aus vor allem Kunden in Deutschland mit Arzneimitteln, Kosmetikprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln beliefert wurden.
Insolvenzverwalter Thomas Caron prüft nach Medienberichten eine Fortführung und führt Gespräche mit Interessenten. Offen ist, ob sich ein Käufer für größere Teile des Unternehmens, einzelne Vermögenswerte oder lediglich den Standort findet. Für ehemalige Beschäftigte könnte eine Übernahme zumindest die Aussicht auf eine teilweise Wiederaufnahme des Betriebs eröffnen.





