Der britische Paketdienst Evri hat Klage gegen die BBC eingereicht und fordert rund 1,2 Millionen Pfund Schadenersatz. Hintergrund ist eine Ausgabe des Investigativformats „Panorama“, in der dem Unternehmen problematische Geschäftspraktiken vorgeworfen wurden. Evri sieht sich durch die Berichterstattung wirtschaftlich geschädigt und verlangt neben einer Entschädigung auch eine gerichtliche Untersagung der beanstandeten Aussagen.
Kritik aus TV-Dokumentation im Fokus
Im Zentrum des Rechtsstreits steht ein etwa 15-minütiger Abschnitt der im Dezember ausgestrahlten Sendung „Evri: Where’s My Parcel?“. Darin schilderten Zusteller und Kunden unter anderem schwierige Arbeitsbedingungen sowie Probleme im Zustellbetrieb.
Nach Auffassung des Unternehmens entstand dadurch ein verzerrtes Bild, das Evri systematische Missstände und irreführende Angaben gegenüber politischen Gremien unterstellt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Unternehmen weist Vorwürfe zurück
Evri bestreitet laut Sky News die in der Dokumentation erhobenen Anschuldigungen vollständig. In den beim High Court eingereichten Unterlagen spricht das Unternehmen von erheblichen wirtschaftlichen Schäden infolge der Ausstrahlung.
Demnach seien geplante Geschäftsabschlüsse ausgeblieben, wodurch entgangene Gewinne von rund 1,164 Millionen Pfund entstanden seien. Zusätzlich habe Evri etwa 33.000 Pfund in Kommunikationsmaßnahmen investiert, um das Vertrauen von Kunden und Partnern wiederherzustellen.
Auswirkungen auf Geschäft und Personal
Laut Unternehmensangaben haben potenzielle Auftraggeber ihre Zusammenarbeit ausdrücklich mit Verweis auf die TV-Berichterstattung abgesagt. Darüber hinaus sieht Evri Risiken für die Rekrutierung neuer Zusteller. Negative Darstellungen könnten potenzielle Bewerber abschrecken und langfristig die operative Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
BBC äußert sich zurückhaltend
Die BBC hat bislang keine detaillierte Stellungnahme zur Klage abgegeben und verweist auf ihre übliche Praxis, laufende Verfahren nicht zu kommentieren. Auf der Plattform iPlayer wurde jedoch ein Hinweis ergänzt, der auf die Klage verweist und zugleich festhält, dass Evri die Vorwürfe bestreitet.
Zudem betont der Sender, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Zusteller über dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt.
Imageprobleme und rechtliche Hürden
Der Rechtsstreit trifft Evri in einer Phase, in der das Unternehmen weiterhin an seinem Markenimage arbeitet. Seit der Umbenennung von Hermes UK im Jahr 2022 investiert der Paketdienst verstärkt in Servicequalität und Digitalisierung, sieht sich jedoch weiterhin mit Kritik konfrontiert.
Für den Ausgang des Verfahrens wird entscheidend sein, ob Evri nachweisen kann, dass die Berichterstattung falsche Tatsachen verbreitet hat und diese unmittelbar zu den geltend gemachten finanziellen Schäden geführt haben. Ein Termin für die Verhandlung steht bislang noch nicht fest.


