Der deutsche Onlinehandel zeigt zur Jahresmitte laut neuen Zahlen des bevh eine spürbare Erholung und entwickelt sich zunehmend zur stabilisierenden Kraft im Einzelhandel. Trotz eines insgesamt schwachen Konsumumfelds konnten die Umsätze im zweiten Quartal deutlich zulegen, getragen von breiter Nachfrage über verschiedene Branchen hinweg.
Onlinehandel bleibt Wachstumstreiber
Die Umsätze im E-Commerce legten im zweiten Quartal mit einem Plus von 5,1 Prozent spürbar zu und bestätigten den positiven Trend aus dem Jahresbeginn. Damit wird der Onlinehandel zunehmend zur wichtigsten Stütze des Handels. Sowohl reine Onlinehändler als auch Multichannel-Anbieter und Plattformen profitieren von dieser Entwicklung, wenngleich sich die Dynamik zwischen den Vertriebskanälen unterschiedlich verteilt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Täglicher Bedarf gewinnt an Bedeutung
Besonders stark wächst der Onlineverkauf von Waren des täglichen Bedarfs. Drogerieprodukte sowie Artikel rund um Haushalt und Freizeit zählen zu den wichtigsten Wachstumstreibern. Auch der Modehandel konnte seine Dynamik weiter steigern und bleibt ein zentraler Impulsgeber im E-Commerce. Dagegen entwickeln sich Bereiche wie Einrichtung und Möbel deutlich schwächer und bleiben hinter dem Gesamtmarkt zurück.
Marktplätze und asiatische Anbieter auf dem Vormarsch
Überdurchschnittlich profitieren Online-Marktplätze, die ihre Umsätze mit 6,1 Prozent überproportional steigern konnten. Gleichzeitig gewinnen Anbieter aus Asien zunehmend Marktanteile. Ihr Anteil am Gesamtumsatz wächst kontinuierlich und erreicht neue Höchststände, insbesondere im Modebereich. Mit deutlich höheren Wachstumsraten als der Gesamtmarkt verstärken sie den Wettbewerbsdruck auf etablierte Händler.
Regulierung zeigt bislang wenig Wirkung
Neue regulatorische Maßnahmen im grenzüberschreitenden Handel dürften nach Einschätzung der Branche nur begrenzte Effekte haben. Internationale Anbieter reagieren bereits mit angepassten Logistikstrukturen, um ihre Lieferketten effizienter zu gestalten und regulatorische Hürden zu umgehen. Dadurch bleibt der Wettbewerbsdruck im Markt hoch.
KI unterstützt Kaufentscheidungen
Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz im Onlinehandel nimmt zu. Immer mehr Verbraucher nutzen KI-Anwendungen zur Informationssuche vor dem Kauf. Dennoch bleibt der eigentliche Kaufprozess überwiegend von menschlichen Entscheidungen geprägt. Die Bereitschaft, automatisierten Systemen vollständige Kontrolle über Kaufentscheidungen oder Zahlungsdaten zu überlassen, ist weiterhin gering.


