Mit dem geplanten digitalen Euro entsteht derzeit eine neue Infrastruktur für den europäischen Zahlungsverkehr. Die Hamburger PPI AG positioniert sich dabei frühzeitig als Technologieanbieter für Banken und entwickelt eine eigene Betriebsplattform zur Verwaltung digitaler Euro-Zahlungen und Wallets.
Das Angebot soll Kreditinstituten ermöglichen, den digitalen Euro technisch in bestehende Systeme zu integrieren. Geplant sind sowohl klassische Eigenbetriebslösungen als auch ein „as-a-Service“-Modell, bei dem zentrale Funktionen ausgelagert werden können.
Digitaler Euro verändert Rolle der Banken
Der digitale Euro gilt als strategisches Projekt des Eurosystems und soll eine digitale Ergänzung zum Bargeld schaffen. Anders als Guthaben auf Girokonten wäre der digitale Euro direktes Zentralbankgeld und damit eine Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank.
Die EZB sieht Geschäftsbanken dabei ausdrücklich als Vermittler zwischen Zentralbank und Kundinnen beziehungsweise Kunden. Banken sollen unter anderem Identitätsprüfungen durchführen, Wallets verwalten, Geldwäscheprävention sicherstellen und Zahlungen an das Eurosystem anbinden.
Damit entsteht für die Institute eine neue technische und regulatorische Schnittstelle, die bestehende Kernbankensysteme erweitert und zusätzliche Anforderungen an Infrastruktur und Sicherheitsarchitektur stellt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Wallets werden neuer digitaler Kundenkanal
Zentrales Element des digitalen Euro sind digitale Wallets. Sie sollen perspektivisch in bestehende Onlinebanking-Angebote integriert werden und Funktionen wie Echtzeit-Zahlungen, Guthabenverwaltung oder Offline-Bezahlmöglichkeiten ermöglichen.
Für Banken entsteht dadurch ein zusätzlicher kundenrelevanter Zugangspunkt mit hohen Anforderungen an Datenschutz, Transaktionssicherheit und regulatorische Kontrolle. Gleichzeitig müssen Wallet-Daten, Liquiditätssteuerung und Zentralbank-Schnittstellen nahtlos miteinander verbunden werden.
PPI sieht hierin einen neuen Markt für spezialisierte Zahlungsverkehrsinfrastruktur. Nach Angaben des Unternehmens soll die Plattform unter anderem Wallet-Management, Transaktionssteuerung und Liquiditätsmanagement bei der Zentralbank unterstützen.
PPI setzt auf modulare Infrastruktur
Die geplante Plattform soll flexibel in unterschiedliche Bankenumgebungen integrierbar sein. Neben klassischen Installationen vor Ort setzt PPI auch auf cloud- und servicebasierte Betriebsmodelle, um insbesondere kleineren und mittleren Instituten einen schnellen Zugang zur Infrastruktur zu ermöglichen.
Darüber hinaus plant das Unternehmen, bestehende Lösungen für den kontobasierten Zahlungsverkehr um digitale-Euro-Funktionen zu erweitern. Bereits heute werden PPI-Systeme unter anderem im genossenschaftlichen Bankensektor eingesetzt.
Strategisch baut PPI damit seine Position im europäischen Zahlungsverkehr weiter aus. Sollte der digitale Euro eingeführt werden, würde nahezu jedes Kreditinstitut in Europa entsprechende technische Anpassungen benötigen.
Wettbewerb um Europas Zahlungsinfrastruktur nimmt zu
Noch steht eine endgültige Entscheidung über die Einführung des digitalen Euro aus. Dennoch treiben Banken, Technologieanbieter und Regulierungsbehörden die Vorbereitungen bereits voran.
Neben klassischen Kernbankenanbietern dürften künftig auch internationale Technologie- und Payment-Konzerne um Marktanteile bei der Infrastruktur konkurrieren. Für europäische Banken gewinnt damit die Frage an Bedeutung, welche Teile der Zahlungsverkehrsinfrastruktur sie selbst betreiben und welche sie an externe Anbieter auslagern.
Mit dem Aufbau einer eigenen Plattform versucht PPI, sich frühzeitig in einem Markt zu positionieren, der langfristig zu einem zentralen Bestandteil des europäischen Finanzsystems werden könnte.


