Vor dem Beginn der Tarifverhandlungen im Einzelhandel im Frühjahr 2026 warnt der Handelsverband Deutschland (HDE) vor den Folgen überhöhter Lohnforderungen. Die wirtschaftliche Gesamtlage sei weiterhin angespannt und setze die Branche stark unter Druck. Laut HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke drohen bei zu hohen Abschlüssen in Kombination mit wachsender Bürokratie, Regulierung und steigenden Sozialabgaben erhebliche Arbeitsplatzverluste.
Wirtschaftliche Lage lässt wenig Spielraum
Die Einzelhandelsbranche ist laut HDE besonders betroffen von der derzeitigen wirtschaftlichen Schwächephase. Die steigenden Kosten und die wirtschaftliche Unsicherheit treffen viele Unternehmen hart. Bereits seit 2022 gingen mehr als 60.000 sozialversicherungspflichtige Stellen verloren. Im Dezember 2025 stieg die Arbeitslosenzahl bundesweit auf 2,9 Millionen – ein neuer Höchststand. Auch die Beschäftigtenzahlen im Handel waren erstmals wieder rückläufig.
Vor diesem Hintergrund plädiert Haarke für eine realistische Herangehensweise der Gewerkschaften. Zwar erkenne der HDE die Sozialpartnerschaft als wichtigen Bestandteil der Tarifpolitik an, jedoch müsse auch die Tarifautonomie wieder stärker in den Fokus rücken. Besonders problematisch sei, dass die Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns tief in die bestehenden Tarifstrukturen eingreifen und deren Wirksamkeit zunehmend einschränken.
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HDE fordert verantwortungsbewusste Tarifpolitik
Der letzte Tarifabschluss im Einzelhandel brachte den Beschäftigten zwischen 2023 und 2025 eine Erhöhung der Löhne um insgesamt 14 Prozent – ein signifikanter Reallohngewinn. Diese Maßnahme sei jedoch bereits eine große Belastung für viele Arbeitgeber gewesen. Für die diesjährige Tarifrunde sieht der HDE kaum noch Spielraum für zusätzliche Verteilung.
Der Verband ruft die Gewerkschaften daher zu Augenmaß auf. Zu hohe Forderungen könnten Erwartungen bei den Beschäftigten schüren, die sich angesichts der wirtschaftlichen Realität nicht erfüllen lassen. Gleichzeitig begrüßt der HDE die Initiative von DGB-Chefin Yasmin Fahimi für ein „Bündnis für Arbeit und Innovation“. Diese zeige, dass auch auf Gewerkschaftsseite die ökonomische Lage zunehmend als kritisch eingeschätzt werde.
Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel starten im April 2026 und betreffen rund 3,1 Millionen Beschäftigte. Es handelt sich damit um eine der größten Tarifrunden in Deutschland. Der HDE fordert in diesem Zusammenhang eine Tarifpolitik mit Augenmaß, um irreversible Schäden für den Arbeitsmarkt im Handel zu vermeiden.


