Der Fashion-Gigant Zalando treibt den Umbau seines Plattformgeschäfts weiter voran und verabschiedet sich von einem zentralen Baustein seiner bisherigen Handelsstrategie: Das Connected-Retail-Programm wird eingestellt und durch ein einheitliches Partnermodell ersetzt.
Brücke zwischen Online und Offline soll effizienter werden
Das Connected-Retail-Programm ermöglichte stationären Händlern bislang, ihre Filialbestände direkt über die Zalando-Plattform zu verkaufen und Bestellungen aus den Geschäften heraus zu versenden. Vor allem kleinere Händler profitierten von diesem niedrigschwelligen Zugang zum Onlinehandel ohne eigene Logistik- oder IT-Infrastruktur.
Mit der geplanten Einstellung bis Ende Juni 2027 endet dieses rein auf stationäre Händler gemünzte Modell. Die Händler haben jedoch weiterhin die Möglichkeit bei Zalando über die integrierte Plattform zu verkaufen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Konsolidierung als Teil der Plattformstrategie
Wie der Schuhkurier zuerst berichtet, bündelt Zalando künftig alle Partnern in einem zentralen System. Ziel ist es, Prozesse zu vereinheitlichen, technologische Doppelstrukturen abzubauen und ein konsistentes Nutzungserlebnis zu schaffen. Der Fokus liegt auf Skalierbarkeit und effizienteren Abläufen über alle europäischen Märkte hinweg.
Der Schritt ist Teil einer langfristigen Strategie, das Unternehmen stärker als integrierte Plattform für Marken und Händlern zu positionieren.
Neue Gebührenstruktur mit Übergangsphase
Mit der Umstellung geht eine Vereinheitlichung der Gebühren einher. Ab September 2026 gelten für alle Partnern einheitliche Marktplatz-Servicegebühren. Um den Übergang zu erleichtern, gewährt Zalando temporäre Rabatte: eine Reduktion der Gebühren bis Ende 2027 sowie zusätzliche Vorteile für frühzeitige Umstellungen. Händler:innen müssen sich jedoch zeitnah entscheiden, ob sie das neue Modell akzeptieren.
Herausforderungen für stationäre Händler:innen
Für viele stationäre Anbieter bedeutet die Umstellung eine grundlegende Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Während die Integration in ein zentrales System Vorteile bei Reichweite und Technologie bietet, steigen zugleich die Anforderungen und Abhängigkeiten. Individuelle Spielräume nehmen ab, während standardisierte Prozesse an Bedeutung gewinnen.
Mit der Entscheidung setzt Zalando konsequent auf Plattformökonomie und Effizienz. Für den stationären Handel markiert dies das Ende eines eigenständigen Digitalisierungsmodells – und den Übergang in ein stärker integriertes, aber auch anspruchsvolleres System.


