Der Konsumgüterkonzern Unilever hat den Arbeitnehmervertretern in Europa und Großbritannien weitreichende Zugeständnisse im Zuge der geplanten Fusion seines Lebensmittelgeschäfts mit dem US-Gewürzhersteller McCormick gemacht. Wie aus einem internen Memorandum hervorgeht, das Reuters einsehen konnte, garantiert der Konzern den rund 4.800 Beschäftigten der Sparte für zwei Jahre nach Abschluss der Transaktion den Erhalt ihrer bestehenden Arbeitsbedingungen. Damit reagiert Unilever auf wachsende Sorgen über mögliche Stellenstreichungen bei einer der größten Transaktionen der Lebensmittelindustrie.
Schutz über gesetzliche Mindeststandards hinaus
Die Vereinbarung gilt für die europäischen und britischen Beschäftigten des Lebensmittelgeschäfts und soll bis mindestens Mitte 2029 Bestand haben. Sie umfasst den Erhalt bestehender Arbeitsverträge, Vergütungsstrukturen und weiterer Beschäftigungsbedingungen – unabhängig davon, wie sich das Geschäft nach dem Zusammenschluss entwickelt.
Damit geht Unilever deutlich über die in der Europäischen Union und Großbritannien üblichen gesetzlichen Regelungen hinaus. Nach geltendem Recht können Tarifvereinbarungen und Arbeitsverträge in der Regel bereits ein Jahr nach einem Unternehmensverkauf oder einer Abspaltung neu verhandelt werden. Die nun zugesagte zweijährige Schutzfrist gilt deshalb als außergewöhnlich und ist länger als bei vergleichbaren Transaktionen.
Unilever bestätigte gegenüber Reuters, dass mit den europäischen Arbeitnehmervertretungen Fortschritte erzielt worden seien. Das Unternehmen sprach von einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Europäischen Betriebsräten und verwies auf Vereinbarungen zum Schutz der Beschäftigungsbedingungen sowie zu Konsultationsverfahren.
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Reaktion auf Sorgen vor Stellenabbau
Die geplante Fusion mit McCormick war bereits im März angekündigt worden und soll Mitte 2027 abgeschlossen werden. Sie schafft einen Lebensmittelkonzern mit einem Unternehmenswert von rund 65 Milliarden US-Dollar und zählt zu den größten Deals der Branche. Im Zuge der Transaktion bringt Unilever seine Marken wie Knorr und Hellmann’s in das neue Unternehmen ein, während McCormick seine starke Position im Gewürz- und Aromageschäft beisteuert.
Der Europäische Betriebsrat, der rund 20.000 Beschäftigte von Unilever in Europa und Großbritannien vertritt, hatte frühzeitig vor möglichen Arbeitsplatzverlusten gewarnt. Arbeitnehmervertreter befürchteten, dass Synergieprogramme und Doppelstrukturen nach dem Zusammenschluss zu umfangreichen Personalmaßnahmen führen könnten. Auch das Risiko von Arbeitskämpfen stand zeitweise im Raum. Der nun vereinbarte Beschäftigungsschutz dürfte diese Spannungen zumindest vorübergehend entschärfen.
Weltweite Arbeitnehmer fordern Gleichbehandlung
Kritik kommt allerdings von internationalen Gewerkschaften. Die Internationale Gewerkschaftsföderation der Lebensmittelarbeiter (IUF) bemängelt, dass vergleichbare Zusagen bislang ausschließlich für Europa gelten.
Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter dürfe nicht der Eindruck entstehen, Beschäftigte außerhalb Europas seien weniger schützenswert. Die IUF verweist dabei auf die frühere Abspaltung des Eiscremegeschäfts, bei der europäische Mitarbeiter ebenfalls stärkere Schutzrechte erhielten als Beschäftigte in anderen Regionen. Für Arbeitnehmer in Asien, Afrika oder Amerika wurden bislang keine vergleichbaren Garantien bekanntgegeben.
Strategischer Umbau von Unilever schreitet voran
Die Abspaltung des Lebensmittelgeschäfts ist ein zentraler Bestandteil der strategischen Neuausrichtung unter CEO Fernando Fernandez. Nach der bereits abgeschlossenen Trennung des Eiscremegeschäfts konzentriert sich Unilever zunehmend auf margenstärkere Bereiche wie Beauty, Personal Care und Wellbeing.
Das Lebensmittelgeschäft galt zwar als profitabel, wies jedoch über Jahre geringere Wachstumsraten auf als die übrigen Konzernbereiche. Mit dem Zusammenschluss entsteht ein weltweit führender Anbieter für Gewürze, Würzmittel und Markenlebensmittel. McCormick plant bereits eine Zweitnotierung an der London Stock Exchange und erwartet erhebliche Synergien aus Einkauf, Produktion und Vertrieb.




