Nach den Turbulenzen der letzten Jahre zeigt sich der deutsche Onlinehandel im ersten Quartal 2025 erneut auf Erholungskurs. Der Umsatz mit Waren im E-Commerce stieg zwischen Januar und März laut Berechnungen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 19,7 Milliarden Euro. Damit wächst der Onlinehandel erstmals seit Mitte 2022 wieder schneller als die Inflation. Gegenüber dem Vorkrisenniveau im Jahr 2019 beträgt das Plus sogar 17,5 Prozent.
Digitale Dienstleistungen noch unter Vorkrisenniveau
Auch im Bereich digitaler Dienstleistungen – etwa Reisebuchungen oder Ticketverkäufe – wurde ein leichtes Wachstum verzeichnet. Mit einem Anstieg um 3,8 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro liegen die Umsätze jedoch weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Wert von 4,5 Milliarden Euro aus dem Jahr 2019.
Apotheker und DIY-Anbieter profitieren überdurchschnittlich
Zu den Wachstumsgewinnern im Warensegment zählen insbesondere Online-Apotheken. Der Umsatz mit Medikamenten wuchs nach Einführung des E-Rezepts um 7,8 Prozent. Auch klassische DIY- und Baumarktprodukte erzielten ein deutliches Plus von 7,2 Prozent. Der Onlineverkauf von Schuhen erholte sich mit einem Anstieg um 5,8 Prozent von einem schwachen Weihnachtsquartal, während der Lebensmittelhandel mit einem Plus von 5,1 Prozent über dem Marktdurchschnitt lag.
Modeanbieter verzeichneten ein Wachstum von 3,9 Prozent, Elektronikartikel stiegen um 4,4 Prozent. Schwächer entwickelte sich dagegen der Absatz von Büchern, E-Books und Hörbüchern mit einem Minus von 2,3 Prozent, ebenso wie der Bereich Bild- und Tonträger, der um 3,4 Prozent schrumpfte.
Marktplätze und Herstellermarken gewinnen Marktanteile
Stark gestiegene Umsätze meldeten erneut Online-Marktplätze mit einem Plus von 5,1 Prozent. Noch dynamischer entwickelten sich D2C-Marken, deren Verkäufe um 6,7 Prozent zulegten. Klassische Online-Shops konnten hingegen nur um 1,2 Prozent wachsen, während Multichannel-Händler sogar ein leichtes Minus von 0,4 Prozent verbuchten.
Ein Teil dieser Verschiebung ist auf die Mehrfachpräsenz vieler Marken zurückzuführen, die ihre Produkte zunehmend über große Plattformen verkaufen – was den Marktplätzen zusätzlich in die Karten spielt.
Politische Rahmenbedingungen im Fokus
Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender bevh-Hauptgeschäftsführer, bewertet die Entwicklung positiv, warnt aber vor möglichen politischen Belastungen: „Die neue Regierung muss die Kaufkraft sichern und gleichzeitig vermeiden, kleine Händler durch höhere Kosten zu benachteiligen.“ Besonders kritisch sieht er Maßnahmen gegen internationale Techkonzerne, da diese indirekt die digitale Infrastruktur verteuern könnten – ein Nachteil für viele kleinere Anbieter im Netz.