Die wirtschaftliche Lage der größten deutschen Unternehmen bleibt angespannt: Eine EY-Analyse der 100 umsatzstärksten börsennotierten Konzerne zeigt für die ersten drei Quartale 2025 einen deutlichen Gewinnrückgang von 15 Prozent auf insgesamt 102 Milliarden Euro. Über die Hälfte der Unternehmen meldete niedrigere Gewinne als im Vorjahr. Trotz eines leichten Umsatzanstiegs von 0,6 Prozent auf 1,55 Billionen Euro bleibt das Wachstum unterhalb der Inflationsrate.
Auto- und Chemieindustrie besonders betroffen
Besonders stark betroffen ist die Automobilbranche, deren Gesamtgewinn um 46 Prozent einbrach. Obwohl Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW weiterhin die umsatzstärksten Unternehmen bleiben, verzeichnete der gesamte Sektor ein Umsatzminus von zwei Prozent. Noch gravierender fiel der Gewinneinbruch bei Chemiekonzernen aus, die 71 Prozent weniger Gewinn erwirtschafteten.
Im Gegensatz dazu konnten Unternehmen aus dem IT- und Gesundheitssektor ihre Gewinne deutlich steigern – erstere fast verdoppelt, letztere mit einem Zuwachs von 40 Prozent. Als gewinnstärkstes Unternehmen führt die Deutsche Telekom das Ranking an, gefolgt von Siemens, BMW und SAP.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Sinkende Marge, stagnierende Beschäftigung
Der Gewinnrückgang spiegelt sich auch in der durchschnittlichen Profitabilität wider: Die Marge fiel von 7,8 auf 6,6 Prozent – der niedrigste Wert seit 2020. 54 Prozent der Unternehmen mussten Einbußen bei der Marge hinnehmen. Zwar wurden vielerorts Kostensenkungsprogramme gestartet, doch deren Wirkung bleibt bislang begrenzt.
Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich ein negativer Trend: Die Zahl der Beschäftigten sank leicht um 0,4 Prozent bzw. rund 17.500 Stellen. Seit 2023 gingen sogar etwa 100.000 Jobs verloren. Besonders betroffen ist die Verwaltung im Inland. Die größten Arbeitgeber bleiben Volkswagen (633.000 Beschäftigte), DHL Group (537.000) und Siemens (318.000).
Regionale Verteilung stabil – vorsichtiger Optimismus für 2026
Die regionale Struktur der Top-Konzerne bleibt stabil: Nordrhein-Westfalen führt mit 28 Unternehmen vor Bayern (22) und Baden-Württemberg (15). Nur zwei Unternehmen haben ihren Sitz in Ostdeutschland.
Trotz der aktuellen Schwäche zeigt sich EY-Partner Jan Brorhilker vorsichtig optimistisch für 2026. Die deutsche Autoindustrie habe strategische Weichenstellungen vorgenommen, besonders im Elektrosegment. Insgesamt dürfte die Industrie jedoch auch im kommenden Jahr nicht die Wachstumslokomotive sein – diese Rolle kommt voraussichtlich weiterhin der Technologiebranche zu. Ein konjunktureller Umschwung könnte durch eine geopolitische Stabilisierung und das Investitionspaket der Bundesregierung begünstigt werden.


