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BIP: Deutsche Wirtschaft wächst um 0,3 Prozent – Exporte treiben Erholung

Symbolik fuer Wirtschaft in Deutschland
Foto: Depositphotos

Key takeaways

Kräftigere Exporte und eine bessere Entwicklung im Handel sorgen für ein freundlicheres Konjunkturbild. Gleichzeitig bleiben Investitionen und privater Konsum schwach, während die Zahl der Erwerbstätigen deutlich zurückgeht.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Die deutsche Wirtschaft hat ihren Wachstumskurs im zweiten Quartal 2026 fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent. Damit korrigierte das Statistische Bundesamt seine erste Schätzung um 0,1 Prozentpunkte nach oben. Gegenüber dem Vorjahresquartal erhöhte sich die Wirtschaftsleistung preisbereinigt ebenfalls um 1,0 Prozent.

Für die bessere Entwicklung waren vor allem kräftige Exporte verantwortlich. Neuere Daten zeigten zudem stärkere Umsätze im Groß- und Einzelhandel als zunächst angenommen. Gleichzeitig bleibt das Bild der deutschen Konjunktur uneinheitlich: Während Industrie und Außenhandel zulegten, gingen die Ausrüstungsinvestitionen zurück und der private Konsum entwickelte sich kaum.

Exporte treiben das Wachstum

Die deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen erhöhten sich gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 2,0 Prozent. Besonders dynamisch entwickelten sich die Warenausfuhren mit einem Plus von 2,6 Prozent, während die Dienstleistungsexporte stagnierten. Die Importe legten insgesamt um 1,5 Prozent zu.

Auch im Jahresvergleich zeigt sich die Stärke des Außenhandels. Die Exporte lagen 3,7 Prozent über dem zweiten Quartal 2025, wobei die Warenausfuhren um 5,0 Prozent zunahmen. Zu den Wachstumstreibern gehörten chemische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Produkte sowie der sonstige Fahrzeugbau. Besonders der Warenhandel mit anderen EU-Staaten legte zu.

Schwächer entwickelten sich dagegen die Investitionen. Die Bruttoanlageinvestitionen gingen gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent zurück. Bei Maschinen, Geräten und Fahrzeugen betrug das Minus 1,4 Prozent. Die Bauinvestitionen erhöhten sich lediglich um 0,1 Prozent, während sowohl private als auch staatliche Konsumausgaben jeweils nur um 0,1 Prozent zulegten.

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Industrie wächst erstmals seit 2023 wieder im Jahresvergleich

Die Bruttowertschöpfung stieg gegenüber dem ersten Quartal insgesamt um 0,4 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe erreichte ein Plus von 0,9 Prozent. Besonders die Chemieindustrie und Hersteller elektrischer Ausrüstungen trugen dazu bei. Im Baugewerbe sank die Wirtschaftsleistung dagegen geringfügig um 0,1 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal erhöhte sich die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes um 1,1 Prozent. Damit erzielte die Industrie erstmals seit dem ersten Quartal 2023 wieder ein Wachstum gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der sonstige Fahrzeugbau und Hersteller elektrischer Ausrüstungen entwickelten sich positiv, während die Automobilindustrie Rückgänge verzeichnete.

Deutlich stärker wuchs der Bereich Information und Kommunikation mit 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Öffentliche Dienstleister sowie die Bereiche Erziehung und Gesundheit kamen gemeinsam auf ein Plus von 2,1 Prozent. Das Baugewerbe blieb mit einem Rückgang der Wertschöpfung um 1,6 Prozent ein Schwachpunkt.

Beschäftigung sinkt trotz höherer Wirtschaftsleistung

Das Wirtschaftswachstum geht bislang nicht mit einer Verbesserung am Arbeitsmarkt einher. Im zweiten Quartal waren rund 45,7 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig. Das waren 212.000 beziehungsweise 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Erstmals seit der Corona-Krise sank die Erwerbstätigkeit dabei auch in den Dienstleistungsbereichen.

Da die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigem unverändert blieb, verringerte sich das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen ebenfalls um 0,5 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Arbeitsproduktivität gemessen am preisbereinigten BIP je Erwerbstätigenstunde gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 Prozent.

Bei den Einkommen zeigte sich eine positivere Entwicklung. Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,4 Prozent, netto betrug der Zuwachs 4,7 Prozent. Weil die verfügbaren Einkommen stärker zunahmen als die Konsumausgaben, erhöhte sich die Sparquote leicht von 9,5 auf 9,6 Prozent.

Deutschland bleibt beim Wachstum unter EU-Durchschnitt

Trotz der verbesserten Zahlen wächst Deutschland weiterhin langsamer als die Europäische Union insgesamt. Das BIP der EU legte gegenüber dem ersten Quartal um 0,5 Prozent zu, während Deutschland 0,3 Prozent erreichte. Spanien verzeichnete unter den großen EU-Staaten mit 0,7 Prozent erneut das stärkste Wachstum. Frankreich und Italien kamen jeweils auf 0,2 Prozent.

Auch gegenüber dem Vorjahr liegt Deutschland mit einem Wachstum von 1,0 Prozent leicht unter dem EU-Durchschnitt von 1,2 Prozent. Spanien erreichte 2,7 Prozent, Frankreich 0,7 Prozent und Italien 1,0 Prozent. Für die USA weist Destatis gegenüber dem Vorquartal ein Plus von 0,4 Prozent und gegenüber dem Vorjahresquartal einen Zuwachs von 2,1 Prozent aus.

Revision verbessert das Bild der vergangenen Jahre

Zusätzlich zu den aktuellen Quartalszahlen hat Destatis frühere BIP-Daten umfassend überarbeitet. Besonders deutlich fällt die Änderung für 2024 aus. Statt des bislang ausgewiesenen Rückgangs der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent ergibt sich nach den neuen Berechnungen eine Stagnation. Für 2025 bleibt das Wachstum unverändert bei 0,2 Prozent.

Auch Ergebnisse für die Jahre 2011 bis 2021 wurden aufgrund neuer Datengrundlagen rückwirkend angepasst. Die jährlichen Wachstumsraten fallen dadurch in einzelnen Jahren um bis zu 0,1 Prozentpunkte höher aus. Über den gesamten Zeitraum ergibt sich nach der Revision ein um 0,8 Prozentpunkte stärkeres Wirtschaftswachstum als bislang berechnet.

Die aktuellen Zahlen zeichnen damit ein etwas günstigeres Bild der deutschen Konjunktur. Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit Wachstum und die wieder steigende industrielle Wertschöpfung sprechen für eine Stabilisierung. Gleichzeitig zeigen schwache Investitionen, nahezu stagnierender privater Konsum und sinkende Beschäftigung, dass der Aufschwung noch auf einer vergleichsweise schmalen Basis steht.

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