Der Warenhauskonzern Galeria kommt nicht zur Ruhe und trennt sich überraschend von Finanzchef Christian Sailer. Die Gesellschafter haben ihn kurzfristig von seinen Aufgaben entbunden, wie das Unternehmen mitteilt. Interimsweise übernimmt Norman Krotten die Verantwortung für das Finanzressort. Krotten, bereits Geschäftsführer und CFO für Food und Gastronomie, kennt das Unternehmen gut und soll für Stabilität sorgen.
Plötzlicher Abgang – trotz „Herbst mit schwarzen Zahlen“
Der Zeitpunkt des Wechsels sorgt für Irritationen und nährt den Verdacht, dass bei Galeria schon wieder Krisenstimmung herrscht. Noch im Herbst 2025 hatte Sailer öffentlich positive Signale gesendet. Das neue Geschäftsmodell sei belastbar, das Unternehmen schreibe schwarze Zahlen, hieß es damals. Nun erfolgt der Abgang ohne nähere Begründung – und wirft erneut Fragen zur wirtschaftlichen Lage auf. Erst Anfang 2024 hatte Galeria das dritte Insolvenzverfahren abgeschlossen.
Ein zentrales Problem bleibt das schwache Weihnachtsgeschäft, das hinter den Erwartungen zurückblieb. Gerade diese Phase ist traditionell entscheidend für die Jahresbilanz von Warenhäusern. Die Entwicklung bei Galeria ist kein Einzelfall: Der stationäre Einzelhandel kämpft generell mit Kaufzurückhaltung und sinkender Frequenz. Branchenvertreter wie der Handelsverband Deutschland hatten früh gewarnt, zuletzt meldete auch die Textilwirtschaft eine gedrückte Stimmung.
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Suche nach Stabilität nach erneuter Führungskrise
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hatten Christian Sailer und COO Tilo Hellenbock Mitte Dezember die angespannte Lage offen eingeräumt. Zwar verwiesen sie auf erste Maßnahmen zur Stabilisierung, etwa beim Sortiment und bei der Flächenproduktivität, doch der wirtschaftliche Druck bleibe spürbar. Die bereits erfolgte Filialreduktion wirke sich nur begrenzt entlastend aus.
Hellenbock betonte zwar, Galeria verfüge über ein Fundament, auf dem man weiter aufbauen könne. Doch die plötzliche Veränderung in der Geschäftsführung zeigt, wie fragil der eingeschlagene Kurs bleibt. Nach mehreren Insolvenzen steht der Konzern weiterhin unter Beobachtung – sowohl durch das deutsch-amerikanische Eigentümerkonsortium als auch durch Lieferanten und Mitarbeitende. Ob die interne Übergangslösung im Finanzbereich ausreicht, um Vertrauen zurückzugewinnen, bleibt mehr als fraglich.
Kooperationen mit Potenzial – strukturelle Defizite bleiben
Ansätze für neue Ertragsquellen sind zwar erkennbar. Kooperationen mit starken Marken wie Decathlon oder Lidl zeigen, dass Galeria grundsätzlich offen für neue Konzepte und Flächennutzungen ist. Die Einbindung externer Partner kann Frequenz bringen und Risiken teilen – insbesondere in großflächigen Innenstadtlagen. Doch bislang wirken diese Kooperationen eher wie punktuelle Experimente als Teil einer klar durchdachten Gesamtstrategie. Ein übergeordnetes Zielbild, wofür Galeria künftig stehen will, lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Fehlende Klarheit bei Positionierung und Digitalisierung
Im Kern bleiben die altbekannten Probleme bestehen. Die Positionierung des Warenhauses ist weiterhin unscharf: Weder gelingt der Spagat zwischen Premium und Preisführerschaft noch die klare Abgrenzung gegenüber Fachhändlern, Discountern und Onlineplattformen. Besonders gravierend ist das Defizit im Digitalen. Eine stringente Omnichannel-Strategie, relevante Online-Sortimente oder eine zeitgemäße Kundenansprache fehlen weitgehend.
Vor allem bei jüngeren Zielgruppen ist Galeria kaum noch verankert – für viele unter 35 spielt das Warenhaus im Einkaufsalltag schlicht keine Rolle mehr. Ohne glaubwürdige Antworten auf diese strukturellen Fragen drohen auch gut gemeinte Kooperationen am Ende nur kosmetische Effekte zu entfalten – und der nächste Kollaps ist unausweichlich.




