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Polstermöbel-Insolvenz: Himolla startet Schutzschirmverfahren

Polstermoebel von Himolla
Foto: Himolla

Key takeaways

Der Polstermöbelhersteller Himolla hat ein Schutzschirmverfahren eingeleitet und reagiert damit auf die anhaltende Branchenkrise. Die Produktion läuft weiter, während eine umfassende Sanierung und mögliche Investorenlösungen vorbereitet werden.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der bayerische Polstermöbelhersteller Himolla Polstermöbel GmbH hat ein Schutzschirmverfahren eingeleitet und reagiert damit auf die anhaltende Krise in der europäischen Möbelindustrie. Ziel ist es, das Unternehmen im Rahmen einer Eigenverwaltung finanziell und strukturell neu aufzustellen, ohne den Geschäftsbetrieb einzustellen. Die Produktion läuft laut dem beratenden Unternehmen Falkensteg unverändert weiter, während parallel ein umfassender Sanierungsprozess gestartet wird. Rund 850 Beschäftigte am Stammsitz im niederbayerischen Taufkirchen sind unmittelbar betroffen.

Strukturelle Krise erfasst die Möbelbranche

Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind vielschichtig. Neben der schwachen Konsumstimmung belastet vor allem die rückläufige Bautätigkeit in Europa die Nachfrage nach Möbeln. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb durch internationale Anbieter aus Niedriglohnländern, die preislich deutlich aggressiver auftreten. Diese Entwicklung trifft insbesondere Hersteller im mittleren und gehobenen Segment, zu denen auch Himolla zählt.

Die Probleme reichen dabei über das einzelne Unternehmen hinaus. Nach den außergewöhnlich starken Jahren während der Corona-Pandemie befindet sich die deutsche Möbelindustrie in einer anhaltenden Schwächephase. Mehrere namhafte Hersteller mussten zuletzt Sanierungsverfahren oder Insolvenzen einleiten. Der Branchenumsatz lag zuletzt bei rund 15,8 Milliarden Euro und ist rückläufig. Besonders stark betroffen sind Polstermöbelhersteller, deren Absatz in den vergangenen Monaten nochmals deutlich gesunken ist.

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Sanierung unter dem Schutzschirm

Mit dem gewählten Schutzschirmverfahren nutzt Himolla ein Instrument, das eine Restrukturierung unter gerichtlichem Schutz ermöglicht. Anders als bei einer klassischen Insolvenz bleibt die bestehende Geschäftsführung im Amt und steuert die Sanierung gemeinsam mit externen Experten. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht dabei die Interessen der Gläubiger und begleitet den Prozess.

Die operative Verantwortung wird durch einen Sanierungsgeschäftsführer ergänzt, der die Restrukturierung maßgeblich vorantreibt. Ziel ist es, in den kommenden Monaten ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Dazu gehören Kostensenkungen, die Optimierung von Strukturen sowie Gespräche mit Lieferanten, Kunden und potenziellen Investoren. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass alle laufenden Aufträge weiterhin planmäßig produziert und ausgeliefert werden sollen.

Auswirkungen auf Beschäftigte und Standorte

Für die Belegschaft bringt das Verfahren zunächst Stabilität. Die rund 850 Mitarbeiter am Stammsitz erhalten für mehrere Monate Insolvenzgeld, wodurch ihre Einkommen vorerst gesichert sind. Ob es im Zuge der Restrukturierung zu Stellenanpassungen kommen wird, ist aktuell noch offen und dürfte von den Ergebnissen der Sanierungsmaßnahmen abhängen.

Die internationale Aufstellung des Unternehmens bleibt zunächst unberührt. Die Standorte in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn sind nicht Teil des in Deutschland eingeleiteten Verfahrens. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe mehr als 2.000 Mitarbeitende und verfügt weiterhin über eine breite industrielle Basis in Europa.

Traditionsunternehmen vor entscheidender Phase

Himolla zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten deutschen Herstellern hochwertiger Polstermöbel und hat sich mit Produkten wie Sofas, Relaxsesseln und Wohnlandschaften im Fachhandel etabliert. Mit einem zuletzt erzielten Umsatz von rund 190 Millionen Euro verfügt das Unternehmen trotz der aktuellen Krise weiterhin über eine relevante Marktposition.

Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob es gelingt, Investoren zu gewinnen und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Erst im vergangenen Jahr war mit der Conzima-Gruppe ein neuer Mehrheitsgesellschafter eingestiegen, um die Zukunft des Unternehmens zu stabilisieren. Nun steht Himolla vor der Aufgabe, diese Grundlage in ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Zukunft zu überführen.

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