ANZEIGE

ANZEIGE

Deko-Kette Depot erneut insolvent – Eigentümer rettet sich in Eigenverwaltung

Grosses Depot Logo
Foto: rclassenlayouts / depositphotos.com

Key takeaways

Nur ein Jahr nach Abschluss der letzten Insolvenz beantrag Depot erneut eine Eigenverwaltung. Im Online-Shop wirbt die Deko-Kette nun mit einem großen Abverkauf, die Website des Eigentümers Gries Deco Company ist nicht mehr erreichbar.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Die bekannte Deko-Kette Depot steht erneut unter Insolvenzschutz. Für die Gries Deco Company Deutschland GmbH, die operative Gesellschaft hinter der Marke, wurde beim Amtsgericht Aschaffenburg ein Verfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Dies berichtet zuerst die Lebensmittelzeitung.

Damit gerät eines der traditionsreichsten Unternehmen im deutschen Non-Food-Handel nur rund ein Jahr nach Abschluss einer umfassenden Sanierung erneut in schwere Turbulenzen. Nach dem radikalen Schnitt der letzten Insolvenz sind nun ungefähr 150 Filialen in Deutschland sind betroffen. Die neuerliche Insolvenz wirft grundlegende Fragen zur Tragfähigkeit des Geschäftsmodells, zur Kapitalausstattung und zur strategischen Ausrichtung der einst expansiven Handelskette auf.

Verfahren in Eigenverwaltung – Geschäftsführung bleibt im Amt

Eigentümer und geschäftsführender Gesellschafter Christian Gries hatte die Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Aschaffenburg ordnete daraufhin die vorläufige Eigenverwaltung an. Die Geschäftsführung bleibt damit formal handlungsfähig, steht jedoch unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters. Die rechtliche Begleitung übernimmt erneut Alexander Höpfner von der Kanzlei ACT Tischendorf, der bereits das vorherige Schutzschirmverfahren betreut hatte.

Im Online-Shop, wo sich noch kein Hinweis für Kunden befindet, wirbt Depot nun mit einer starken Rabattaktion mit „40% auf fast alles“. Die Website der Eigentümergesellschaft ist dagegen nicht mehr erreichbar.

Welche konkreten Maßnahmen nun folgen, ist bislang offen. Eine offizielle Pressemitteilung des Unternehmens gibt es noch nicht. Branchenkreisen zufolge kämpft das Unternehmen allerdings seit Monaten mit Liquiditätsengpässen, Mietrückständen und zusätzlichem Kapitalbedarf in Höhe von rund 16 Millionen Euro. Interne Analysen sollen ergeben haben, dass etwa 30 Standorte weiterhin defizitär arbeiten. Auch die Kostenstruktur der Zentrale galt zuletzt als zu hoch.

Anzeige

Gewinnen in der Plattform-Ökonomie

von Alexander Graf – der Leitfaden für Handelsentscheider
★★★★☆ 4,4 / 5 Sterne
Jetzt bei Amazon entdecken

Zweite Insolvenz binnen kurzer Zeit

Besonders brisant: Es handelt sich bereits um das zweite Insolvenzverfahren innerhalb kurzer Zeit. Bereits 2024 hatte Depot ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, um eine umfassende Restrukturierung unter gerichtlichem Schutz umzusetzen. Anfang 2025 wurde das Verfahren offiziell beendet – verbunden mit einem deutlich verkleinerten Filialnetz und einer organisatorischen Neuaufstellung.

Damals schrumpfte das Filialnetz von mehr als 400 Standorten auf rund 150 Filialen in Deutschland sowie etwa 30 Geschäfte in Österreich. Der Schweizer Markt wurde vollständig aufgegeben. Hunderte Arbeitsplätze gingen verloren. Die Sanierung sollte einen Neustart mit schlankerer Struktur und stärkerem Fokus auf Omnichannel-Vertrieb ermöglichen. Dass nun erneut Insolvenz angemeldet werden musste, deutet darauf hin, dass die strukturellen Probleme tiefer reichen.

Vom Kunstfrucht-Hersteller zur bekannten Deko-Kette

Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1948 zurück. Oskar und Maria Gries gründeten im unterfränkischen Schöllkrippen zunächst eine Produktion künstlicher Früchte und von Christbaumschmuck. Der Vertrieb erfolgte anfangs über Großhändler.

Mit dem Einstieg von Christian Gries Ende der 1990er-Jahre begann die Transformation zum filialisierten Einzelhändler. 1995 eröffnete die erste Filiale unter der Marke Depot. Das Konzept setzte auf trendige Wohnaccessoires zu erschwinglichen Preisen in attraktiven Innenstadtlagen und Einkaufszentren.

In den 2000er-Jahren expandierte Depot stark – mit bundesweiten Filialeröffnungen, dem Markteintritt in Österreich und der Schweiz sowie dem Ausbau auf mehrere Hundert Standorte.

Zeitweise beteiligten sich internationale Investoren wie 3i und Dawnay Day am Unternehmen. Später hielt auch der Migros-Genossenschafts-Bund zwischenzeitlich bis zu 90 Prozent der Anteile. 2019 übernahm Christian Gries die Beteiligungen wieder vollständig und führte Depot zurück in den Familienbesitz.

In Spitzenzeiten erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz im hohen dreistelligen Millionenbereich und galt als feste Größe im europäischen Deko- und Geschenkartikelhandel.

Strukturelle Probleme verschärften die Krise

Bereits vor der Pandemie kämpfte Depot mit strukturellen Herausforderungen. Hohe Fixkosten durch das große Filialnetz, sinkende Besucherfrequenzen in Innenstädten, wachsende Online-Konkurrenz und steigender Preisdruck belasteten das Geschäft zunehmend.

Die Corona-Lockdowns verschärften die Lage zusätzlich. Zeitweise Filialschließungen führten zu deutlichen Umsatzeinbrüchen, während Miet- und Personalkosten weiterliefen. Die Verschuldung stieg spürbar an, auch wenn das Unternehmen laut NorthData 2021 eine Corona-Staatshilfe in Höhe von 12 Millionen Euro erhalten hatte.

Nach Jahren sinkender Profitabilität folgte 2024 schließlich das Schutzschirmverfahren. Die operative Gesellschaft wurde abgewickelt, rentable Standorte und Vermögenswerte gingen auf die neu gegründete GDC Deutschland GmbH über – eine klassische übertragende Sanierung.

Neben Christian Gries stand dabei auch Restrukturierungsexperte Marco De Benedetti an der Spitze der neuen Gesellschaft, der zuvor bereits mehrere Handelsinsolvenzen begleitet hatte.

Umbau reicht offenbar nicht aus

Nach der ersten Insolvenz setzte Depot verstärkt auf den Ausbau des Online-Shops, Omnichannel-Strategien, Shop-in-Shop-Konzepte, verschlankte Sortimente und reduzierte Verwaltungsstrukturen.

Offenbar reichten diese Maßnahmen jedoch nicht aus, um das Unternehmen nachhaltig profitabel aufzustellen. Der deutsche Non-Food-Handel bleibt stark umkämpft, während gleichzeitig Energie-, Logistik- und Personalkosten steigen. Viele Verbraucher kaufen Wohnaccessoires zunehmend bei Online-Plattformen oder Discountern.

Depot steht damit exemplarisch für den tiefgreifenden Strukturwandel im stationären Einzelhandel – und für die Risiken eines Geschäftsmodells, das stark von saisonalen Impulskäufen abhängt.

Traditionsunternehmen am Scheideweg

Die erneute Insolvenz markiert einen weiteren tiefen Einschnitt in der Geschichte des Familienunternehmens. Ob es Christian Gries gelingt, erneut Investoren zu gewinnen oder die Gruppe aus eigener Kraft zu stabilisieren, bleibt offen.

Fest steht: Nach zwei Verfahren in kurzer Zeit steht nicht nur die Kapitalstruktur, sondern das gesamte Geschäftsmodell auf dem Prüfstand.

Ähnliche Artikel

Must-read

ANZEIGE
JANGER E-Commerce
Wer als Shop-Betreiber, E-Commerce Manager oder Gründer einer E-Commerce-Marke erfolgreich werden möchte, muss drei grundsätzliche Faktoren, Verkaufspsychologie, Außendarstellung und Design sowie Nutzererlebnis, verinnerlichen.

Top-News

Sponsored

Sponsored