Der einst gehypte Süßwaren-Händler House of Sweets steht vor dem wirtschaftlichen Aus: Anfang April 2026 wurde ein offizielles Insolvenzverfahren eröffnet, mehrere Filialen sind bereits geschlossen und der Geschäftsbetrieb läuft nur noch stark eingeschränkt. Was einst als kleines Spezialitäten-Start-up begann, hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem bundesweit bekannten Konzept entwickelt – und ist nun in eine existenzielle Krise geraten.
Insolvenzanmeldung und aktueller Stand
Laut Insolvenz-Radar eröffnete das Amtsgericht Hannover am 09. April 2026 das Insolvenzverfahren über die House of Sweets Hannover GmbH. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Wirtschaftsjurist Lars Rühmland bestellt. Besonders betroffen ist die deutsche Gesellschaft, die einen Großteil der zentralen Filialstandorte betrieben hat.
Mehrere Standorte – darunter Filialen in Braunschweig, Hannover, Dortmund und Kassel – wurden bereits dauerhaft geschlossen und werden auch online entsprechend nicht mehr geführt. Der Geschäftsbetrieb ist aktuell nur noch eingeschränkt möglich. Einzelne Filialen, etwa in Berlin und Leipzig, sind weiterhin geöffnet.
Der Onlineshop ist zwar sichtbar, kann jedoch derzeit keine Bestellungen annehmen – offiziell wird dies mit einem Umzug in eine größere Lagerhalle begründet.
Auffällig ist zudem, dass bereits seit 2024 keine bis kaum Social-Media-Aktivitäten mehr stattfinden. Die hauseigene Facebook-Page wird seit Sommer 2024 nicht mehr bespielt wird und auch auf Instagram oder TikTok finden sich keine aktuellen Beiträge.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Vom Start-up zur Kette
House of Sweets wurde 2018 in Braunschweig von drei Süßwaren-Enthusiasten gegründet. Ziel war es, internationale Süßigkeiten anzubieten, die auf dem deutschen Markt nur schwer erhältlich sind. Das Sortiment umfasste eine breite Auswahl importierter Produkte, von amerikanischen Schokoriegeln über britische Bonbons bis hin zu koreanischen Snacks, und richtete sich gezielt an ein junges, social-media-affines Publikum.
Wachstum durch Social Media
Die Marke gewann schnell an Bekanntheit, vor allem über soziale Netzwerke. Kooperationen mit prominenten Persönlichkeiten wie dem Rapper Sido und der Sängerin Senna Gammour steigerten die Reichweite deutlich. Ergänzt wurde dies durch Pop-up-Aktionen, Influencer-Kampagnen und virale Inhalte, die das Konzept einer breiteren Zielgruppe zugänglich machten.
Einen zusätzlichen Wachstumsschub brachte die Corona-Pandemie im Jahr 2020. Lockdowns und ein zunehmender Fokus auf Online-Shopping führten zu einer erhöhten Nachfrage nach außergewöhnlichen Süßwaren, die im klassischen Einzelhandel kaum verfügbar waren.
Expansion und Filialnetz
Nach ersten Erfolgen in Braunschweig expandierte das Unternehmen bundesweit. Ein zentraler Meilenstein war die Eröffnung der rund 350 Quadratmeter großen Filiale am Hauptbahnhof Hannover im August 2024, die als größte der Kette galt. Inzwischen ist auch dieser Standort geschlossen, die Regale sind leer.
Parallel wurde ein eigener Onlineshop aufgebaut, über den Kunden deutschlandweit bestellen konnten. Ziel war ein Omnichannel-Modell, das stationären Handel, Onlinevertrieb sowie Event- und Aktionsformate miteinander verbindet.
Gründe für das Scheitern
Trotz hoher Markenbekanntheit zeigen sich mehrere strukturelle Probleme. Die schnelle Expansion führte zu erheblichen Kosten für Ladenbau, Personal und Logistik, während die Profitabilität vieler Standorte begrenzt blieb. Hohe Mieten und laufende Betriebskosten überstiegen insbesondere in schwächeren Verkaufszeiten die Einnahmen.
Hinzu kommt die starke Saisonalität im Süßwarengeschäft: Umsatzstarke Phasen wie Halloween oder Weihnachten müssen traditionell umsatzschwächere Monate ausgleichen. Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten, da viele Verbraucher verstärkt auf gesündere Snack-Alternativen setzen.
Auch operative Herausforderungen spielen eine Rolle. Der Onlineshop ist seit Wochen nicht vollständig funktionsfähig, was auf interne Schwierigkeiten hinweist. Zudem erschwerte eine komplexe Holdingstruktur mit mehreren rechtlich getrennten Gesellschaften die Steuerung des Unternehmens.
Ausblick: Chancen und Risiken
Das laufende Insolvenzverfahren bedeutet nicht zwangsläufig das endgültige Aus. In vergleichbaren Fällen kommt es häufig zu Sanierungen oder Übernahmen. Konkrete Aussagen der Geschäftsführung oder eine klare strategische Neuausrichtung liegen bislang jedoch nicht vor.
Mögliche Szenarien umfassen den Verkauf einzelner Standorte oder Markenrechte, die Weiterführung ausgewählter Filialen in nachfragestarken Großstädten sowie eine Restrukturierung des Onlineshops. Ob diese Optionen realistisch sind, hängt maßgeblich von der finanziellen Situation, der Gläubigerstruktur und potenziellen Investoren ab.
Wirtschaftlicher Kontext
Die Entwicklung von House of Sweets fügt sich in einen allgemeinen Trend steigender Insolvenzen im deutschen Einzelhandel ein. Besonders betroffen sind Konzepte mit hohem stationären Anteil und stark impulsgesteuertem Umsatz. Kleinere Spezialanbieter stehen zunehmend unter Druck, sich gegen große Discounter und etablierte Onlinehändler zu behaupten.


