Die kurzfristigen Perspektiven der deutschen Wirtschaft haben sich zuletzt aufgehellt. Darauf deutet der aktuelle Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hin, der wesentliche Datenpunkte zur wirtschaftlichen Lage bündelt. Für den Zeitraum von Februar bis Ende April 2026 errechnet das IMK eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 20,3 Prozent. Anfang Januar hatte dieser Wert noch bei 28,0 Prozent gelegen. Trotz der verbesserten Aussichten bleibt der Indikator aufgrund einer leicht gestiegenen statistischen Streuung weiterhin in der Phase „gelb-grün“, was auf moderates Wachstum hindeutet.
Auftragsplus stärkt die Realwirtschaft
Besonders die positiven Entwicklungen in der Realwirtschaft tragen zum Rückgang des Rezessionsrisikos bei. Auffällig ist vor allem der deutliche Anstieg der inländischen Industrieaufträge. Dennoch warnt IMK-Experte Dr. Thomas Theobald davor, die Trendwende bereits als gesichert anzusehen. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe sei im Dezember erneut gesunken, sodass die Auftragslage sich noch nicht in einer höheren Ausbringung widerspiegele. Hinzu kommen stagnierende oder leicht rückläufige Stimmungs- und Finanzmarktindikatoren, die den Verbesserungstrend dämpfen.
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Politische Unsicherheit bleibt ein Risikofaktor
Insgesamt bewertet das IMK den konjunkturellen Trend jedoch positiv. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts, Prof. Dr. Sebastian Dullien, sieht die aktuelle Prognose eines Wirtschaftswachstums von 1,2 Prozent für 2026 gut untermauert: „Die Zeichen verdichten sich, dass wir mit unserer Prognose nicht zu hoch gegriffen haben. Grundsätzlich ist sogar noch etwas mehr drin.“ Er erwartet, dass im Jahresverlauf die Impulse aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz sowie die steigenden Verteidigungsausgaben verstärkt wirksam werden.
Für einen stabilen Wachstumspfad sei jedoch entscheidend, dass auch der Privatkonsum einen spürbaren Beitrag leiste. Dazu müsse die Kaufkraft weiter verlässlich steigen und wirtschaftspolitische Debatten dürften nicht wiederholt zur Verunsicherung führen. Dullien betont, dass es keine empirischen Hinweise gebe, wonach der deutsche Sozialstaat nicht finanzierbar sei. Im internationalen Vergleich wie auch historisch entspreche das Verhältnis der Sozialausgaben zur Wirtschaftsleistung üblichen Mustern.
Damit sei es umso wichtiger, wirtschaftspolitische Diskussionen sachlich zu führen, um unnötige Risiken für die Konjunktur zu vermeiden.


