Mastercard und Visa haben fast zeitgleich neue Technologien vorgestellt, die das Potenzial haben, die B2B-Zahlungswelt nachhaltig zu verändern. Während Mastercard mit einer API-Innovation auf einfache Integration und intelligente Kontrolle setzt, bringt Visa ein Sicherheitsprotokoll für den KI-Handel auf den Markt. Beide Entwicklungen zielen darauf ab, Geschäftsprozesse zu vereinfachen, Risiken zu minimieren und technologische Standards für eine neue Zahlungsrealität zu schaffen.
Smarter zahlen mit Mastercard: Virtuelle Karten und einheitliche Schnittstellen
Mastercard treibt die Vereinfachung und Automatisierung von Geschäftszahlungen mit zwei neuen Produktentwicklungen voran: einer „Commercial Connect API“ und sogenannten „Clearing Controls“. Ziel ist es, B2B-Plattformen und Finanzdienstleistern Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Zahlungsprozesse effizienter, sicherer und transparenter gestalten können.
Ein zentrales Element dieser Strategie ist die neue Commercial Connect API, die noch ab 2025 verfügbar sein wird. Sie soll es Unternehmen ermöglichen, schneller auf Mastercard-Funktionen – vor allem auf die virtuelle Kartenplattform – zuzugreifen. Bisher erforderte die Integration verschiedener Zahlungsfunktionen oft den Einsatz mehrerer APIs, was Projekte komplex und teuer machte. Die neue API verspricht einen zentralisierten Zugang zu den kommerziellen Zahlungslösungen von Mastercard – zunächst zur virtuellen Karte, später sollen weitere Funktionen folgen.
Der erste Kunde, der die API nutzen wird, ist Pay4You, ein Anbieter für Tail-Spend-Management. Mit dieser Integration sollen Unternehmen in Europa künftig einfacher virtuelle Karten nutzen und dadurch Ausgaben besser kontrollieren können.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Neue Kontrollmöglichkeiten: Transaktionen absichern vor der Abrechnung
Mit den „Clearing Controls“ bringt Mastercard zudem ein Werkzeug auf den Markt, das über die bisherigen Autorisierungsmechanismen hinausgeht. Während viele virtuelle Kartenanbieter nur beim ersten Schritt – der Transaktionsautorisierung – eingreifen können, erlaubt Mastercard jetzt auch eine Kontrolle auf der Clearing-Ebene. Das bedeutet: Bestimmte Transaktionen können auch nachträglich noch blockiert werden, etwa bei Verstößen gegen vordefinierte Richtlinien wie Händlerkategorie oder Ausgabenlimit.
Gerade in der Reisebranche, wo laut Mastercard besonders viele und teure Rückbuchungen stattfinden, könnten diese neuen Funktionen ein echter Wettbewerbsvorteil für Banken und ihre Unternehmenskunden sein. Die weltweite Verfügbarkeit der Clearing Controls ist für 2026 geplant.
Ein Ökosystem für integrierte Zahlungen
Mastercard verfolgt darüber hinaus das Ziel, virtuelle Karten tief in bestehende Systeme wie SAP Concur, SAP Taulia oder Grasp Technologies zu integrieren. Die Kombination aus API-Zugang, eingebetteten Zahlungsfunktionen und Echtzeitdaten soll B2B-Zahlungen so nahtlos machen wie eine Taxibuchung per App.
Visa bringt KI-Agenten in den Zahlungsverkehr
Parallel dazu geht Visa einen anderen Weg – mit einem Fokus auf den KI-gesteuerten Handel. Mit dem „Trusted Agent Protocol“ stellt das Unternehmen ein neues technisches Regelwerk vor, das den Einsatz von KI-Agenten beim Online-Einkauf sicher und vertrauenswürdig gestalten soll. Das Protokoll wurde gemeinsam mit Cloudflare entwickelt und ist ab sofort auf dem Visa Developer Center sowie auf GitHub verfügbar.
Der Hintergrund: Immer mehr Verbraucher setzen auf KI-basierte Assistenten wie ChatGPT, um Produkte zu finden oder Einkäufe vorzubereiten. Laut Visa hat bereits jeder Dritte in den vergangenen zwölf Monaten einen solchen Assistenten genutzt. Doch viele Händler erkennen diese KI-Agenten nicht korrekt – und blockieren legitime Transaktionen fälschlicherweise, etwa durch Bot-Erkennungssysteme.
Das Trusted Agent Protocol soll hier Abhilfe schaffen, indem es eine standardisierte, kryptografisch abgesicherte Kommunikation zwischen KI-Agent und Händler erlaubt. Dabei wird unter anderem übermittelt, ob ein Kauf im Auftrag eines echten Nutzers erfolgt, ob dieser bereits ein Kundenkonto besitzt und ob die übermittelten Zahlungsdaten den Richtlinien des Händlers entsprechen.
KI ja, aber nur mit klaren Regeln
Visa betont, dass das neue Protokoll nicht nur für das eigene Netzwerk entwickelt wurde. Vielmehr soll es Grundlage für eine interoperable Infrastruktur im globalen Handel sein. Deshalb arbeitet das Unternehmen eng mit Standardisierungsgremien wie der OpenID Foundation, der IETF und EMVCo zusammen. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit anderen Protokollinitiativen wie dem Agentic Commerce Protocol und x402 von Coinbase geplant.
Ziel ist ein offener, sicherer und erweiterbarer Rahmen für die nächste Phase des digitalen Handels – einen, in dem Maschinen nicht nur Produkte vorschlagen, sondern auch bezahlen dürfen, ohne dass dabei Sicherheit oder Vertrauen leiden.
Auch Mastercard treibt den agentischen Handel und arbeitet für die Agentic Payments, ebenso wie Visa, mit Cloudfare zusammen.
Fazit: Zwei Ansätze, ein Ziel
Mastercard und Visa zeigen mit ihren aktuellen Entwicklungen, wie unterschiedlich der Weg zur Zukunft des Bezahlens aussehen kann. Mastercard optimiert bestehende Geschäftsprozesse mit APIs, virtuellen Karten und Kontrollfunktionen, während Visa auf regulatorisch-technische Grundlagen für eine neue Generation des KI-basierten Handels setzt. Gemeinsam ist beiden Unternehmen der Anspruch, das Bezahlen im B2B-Bereich nicht nur sicherer, sondern auch intelligenter, automatisierter und zukunftsfähig zu machen.


