Strukturelle Überkapazitäten, volatile Kosten und eine schwache Nachfrage belasten die weltweite Papier- und Verpackungsindustrie. Laut dem neuen „Paper & Packaging Report 2026“ von Bain & Company gelingt es nur 7 Prozent der Unternehmen, ihr ehrgeiziges Gewinnwachstumsziel zu erreichen. Eine Neuausrichtung bei Kapazitäten, Standorten und Portfolios wird zunehmend zur Überlebensfrage.
Die Studie hebt hervor, dass erfolgreiche Unternehmen deutlich entschlossener agieren als ihre Mitbewerber: Sie hinterfragen alte Nachfrageprognosen, fokussieren sich auf profitable Regionen und Produkte und nutzen M&A-Möglichkeiten, um Effizienzgewinne zu erzielen. Zudem analysieren sie konsequent die wirtschaftliche Zukunft einzelner Standorte – einschließlich möglicher Stilllegungen oder Umrüstungen.
KI als Schlüssel zur Effizienzsteigerung
Ein zentraler Hebel ist laut Bain die intelligente Instandhaltung. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz lassen sich Wartungsprozesse prädiktiv und präskriptiv gestalten. Dies senkt nicht nur Stillstandszeiten und Reparaturkosten, sondern verbessert auch die Einsatzzeit der Mitarbeitenden. Die Reparaturdauer reduziert sich laut Studie um bis zu 15 Prozent, während die sogenannte „Tool-in-Hand Time“ um durchschnittlich 15 Prozentpunkte steigt. In Summe lassen sich so die Instandhaltungskosten je produzierter Tonne um bis zu 23 Prozent senken.
Ein weiterer Effizienzhebel ist das Ersatzteilmanagement. Durch gezielte Bestandssteuerung und logistische Optimierung kann der Lagerbestand um 20 bis 40 Prozent verringert werden – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf das Working Capital. Die Studie skizziert einen vierstufigen Transformationspfad von der Diagnose bis zur Skalierung, der Unternehmen hilft, die Potenziale der intelligenten Instandhaltung systematisch zu erschließen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Datengetriebene Preis- und Vertriebssteuerung
Auch in Vertrieb und Pricing zeigen sich große Hebel: Viele Unternehmen verfügen laut Bain noch immer über keine ausreichende Transparenz zur Profitabilität einzelner Kunden, Produkte oder Vertriebskanäle. Eine datenbasierte Analyse auf SKU- und Kundenebene kann helfen, unprofitable Rabatte zu erkennen und abzustellen sowie die Preisarchitektur gezielt neu zu justieren.
Laut Bain-Partner Silvan Göldi ermöglicht eine exzellente Vertriebssteuerung ein zwei- bis dreifach höheres Wachstum. KI-gestützte Methoden wie Web Scraping und geodatenbasierte Analysen helfen dabei, neue Nachfragecluster zu identifizieren und Vertriebsressourcen gezielter einzusetzen. Unternehmen, die ihre Prozesse bereits datenbasiert und szenariogestützt steuern, können sich dadurch deutlich schneller auf Marktveränderungen einstellen.
Der Bericht macht deutlich: Wer im aktuellen Marktumfeld bestehen will, muss bestehende Strukturen hinterfragen, digitale Hebel aktiv nutzen und operative Entscheidungen datenbasiert treffen.


