Die deutsche Wirtschaft ist mit deutlichen Rückgängen im Außenhandel ins Jahr 2026 gestartet. Die Exporte sanken laut Statistischen Bundesamt kalender- und saisonbereinigt um 2,3 Prozent gegenüber Dezember 2025, die Importe sogar um 5,9 Prozent. Während die Ausfuhren im Vorjahresvergleich leicht um 0,6 Prozent zulegten, lagen die Einfuhren 4,0 Prozent unter dem Niveau von Januar 2025. Dennoch stieg der Außenhandelsüberschuss deutlich auf 21,2 Milliarden Euro – ein Plus gegenüber Dezember (17,4 Mrd. Euro) und Januar 2025 (15,9 Mrd. Euro).
EU-Handel schwächelt – Rückgänge fast überall
Besonders markant ist die Entwicklung im Handel mit der EU: Die Exporte in EU-Staaten gingen um 4,8 Prozent zurück, die Importe um 6,5 Prozent. In die Eurozone sanken die Ausfuhren um 5,7 Prozent, die Einfuhren um 5,9 Prozent. Auch der Handel mit EU-Ländern außerhalb der Eurozone zeigte deutliche Minuszeichen.
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Drittstaaten: USA robust, China schwach
Der Handel mit Drittstaaten zeigte ein zweigeteiltes Bild: Während die Exporte außerhalb der EU leicht um 1,0 Prozent stiegen, brachen die Importe um 5,3 Prozent ein. Die USA waren erneut wichtigster Exportmarkt und verzeichneten ein kräftiges Monatsplus von 11,7 Prozent. Dagegen schrumpften die Exporte nach China um 13,2 Prozent und die Einfuhren um 8,3 Prozent.
BGA warnt vor weiterem Absturz des Außenhandels
Angesichts der schwachen Handelsdaten mahnt der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur an. Präsident Dr. Dirk Jandura sieht den Außenhandel in einem zunehmend fragilen Umfeld: Steigende Energiepreise infolge des Konflikts um den Iran, gestörte Handelsrouten, geopolitische Spannungen und eine schwächere Nachfrage aus wichtigen Märkten belasteten die deutschen Exporteure erheblich.
„Wir sehen nirgendwo Impulse, die unseren Unternehmen die dringend benötigten Aufträge einbringen könnten. Deutschland braucht jetzt eine Exportoffensive“, so Jandura. Entscheidend seien offene Märkte, verlässliche Partnerschaften und ein wettbewerbsfähiger Standort.
Mit Blick auf den europäischen Binnenmarkt zeigt er sich besonders besorgt: „Gerade hier sollten wir stabile Nachfrage erwarten – doch die Zahlen gehen bergab.“ Die Politik müsse wirtschaftliche Rahmenbedingungen klug gestalten und Belastungen vermeiden. Gefordert werden unter anderem weniger Bürokratie, diversifizierte Lieferketten, wettbewerbsfähige Energiepreise und Fortschritte bei Handelsabkommen.
Iran-Konflikt sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Jandura verweist zudem auf Risiken durch die Zuspitzung im Nahen Osten. Zwar gebe es noch keine gravierenden direkten Auswirkungen, doch erste Störungen im Luft- und Seeverkehr führten bereits zu längeren Transportzeiten und höheren Kosten. Umso wichtiger sei ein „klares Signal aus Washington für Stabilität und Berechenbarkeit in den transatlantischen Handelsbeziehungen“.
Gesamtniveau weiter rückläufig
Nominal sanken die Exporte im Januar auf 121,7 Milliarden Euro (-2,7 %), die Importe auf 105,1 Milliarden Euro (-6,4 %). Der unbereinigte Handelsüberschuss betrug 16,6 Milliarden Euro und lag damit über dem Vorjahreswert.


