Im Tarifkonflikt des hessischen Einzel- und Versandhandels bleibt eine Einigung weiterhin aus. Auch die vierte Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern ist ohne Ergebnis geblieben. Zwar wurde das Angebot leicht nachgebessert, aus Sicht von ver.di reicht dies jedoch nicht aus – eine weitere Eskalation des Arbeitskampfes gilt als wahrscheinlich.
Arbeitgeber legen leicht verbessertes Angebot vor
Nach Angaben der Gewerkschaft haben die Arbeitgeber ihr Angebot in beiden Tarifjahren geringfügig angehoben. Vorgesehen ist eine Entgelterhöhung von 2,4 Prozent im ersten Jahr, allerdings erst nach einer sechsmonatigen Nullrunde.
Im zweiten Jahr sollen die Löhne um weitere 2,0 Prozent steigen, ebenfalls verzögert durch eine dreimonatige Anpassungspause. Die geplante Laufzeit des Tarifvertrags beträgt insgesamt zwei Jahre.
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Gewerkschaft kritisiert Kaufkraftverluste
Ver.di lehnt das Angebot ab und spricht von einem realen Einkommensverlust für die Beschäftigten. Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft die zeitlichen Verzögerungen, durch die die Erhöhungen erst verspätet wirksam werden.
Vor dem Hintergrund der Inflation würden die angebotenen Anpassungen die Kaufkraft nicht sichern. Zudem sei insbesondere die Situation vieler Teilzeitbeschäftigter im Einzelhandel betroffen, deren Einkommen ohnehin vergleichsweise niedrig sei.
Festbetrag als zentrale Forderung
Die Gewerkschaft hält an ihrer Kernforderung fest: einem monatlichen Festbetrag von 250 Euro für alle Beschäftigten. Für Auszubildende wird eine Erhöhung der Vergütungen um 150 Euro verlangt. Zudem fordert ver.di eine deutlich kürzere Laufzeit von zwölf Monaten.
Mit dem Festbetrag sollen vor allem untere und mittlere Einkommensgruppen stärker profitieren, da prozentuale Erhöhungen hier geringere Effekte haben.
Arbeitgeber verweisen auf wirtschaftlichen Druck
Die Arbeitgeberseite argumentiert mit der angespannten Lage im Handel. Viele Unternehmen stünden unter erheblichem Kostendruck bei gleichzeitig schwacher Umsatzentwicklung. Ein Tarifabschluss müsse daher wirtschaftlich tragfähig bleiben und dürfe die Unternehmen nicht zusätzlich überfordern.
Weitere Streiks wahrscheinlich
Nach dem Scheitern der Verhandlungen dürfte sich der Konflikt weiter verschärfen. Bereits in den vergangenen Wochen kam es zu Warnstreiks bei zahlreichen Handelsunternehmen. Die Gewerkschaft hat angekündigt, den Druck weiter zu erhöhen, falls keine substanzielle Verbesserung des Angebots erfolgt.
Zahlreiche Beschäftigte betroffen
Von den laufenden Tarifverhandlungen sind rund 240.000 Beschäftigte im hessischen Einzel- und Versandhandel betroffen. Parallel laufen auch Verhandlungen im Großhandel, die ebenfalls bislang ohne Einigung geblieben sind.


